Washington - Mehrmals haben wir schon von der "Giant Belch"-Hypothese berichtet, derzufolge eine gigantische Freisetzung unterseeischen Methans vor 55 Millionen Jahren, also 10 Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier stattgefunden haben soll. Diese führte kurzfristig zu einem Artensterben in den Ozeanen, jedoch auch zu einer globalen Erwärmung und begünstigte den Aufstieg der Säugetiere zur planetenweit dominanten Art. Deutsche und amerikanische Geowissenschaftler haben nun den zeitlichen Ablauf der Klimakatastrophe rekonstruiert. Demnach kippte der Ozean durch die Freisetzung von Methangas, das als eisähnliches Kristall in großen Mengen im Meeresboden gespeichert ist. Die Erkenntnisse wurden im Zuge der Forschungsarbeiten des Ocean-Drilling-Programmes ( ODP ) gewonnen. Auslöser für diese Umwälzungen waren möglicherweise riesige Rutschungen an Hängen unter dem Meer. Sie ließen das Methaneis im Meeresboden instabil werden. Innerhalb von nur wenigen Jahrtausenden entwichen 1.200 bis 2.000 Mrd. Tonnen des Treibhausgases Methan in Ozean und Atmosphäre. Die Folge war ein Temperaturschock. Das ohnehin schon relativ warme Tiefenwasser im mittleren Ozeanstockwerk wurde auf 15 Grad Celsius erwärmt. Heute beträgt die Temperatur rund zwei bis vier Grad. "Die Erkenntnisse verdanken wir ODP-Bohrkernen aus dem westlichen Atlantik und der Weddell See im Südozean", so der deutsche ODP-Koordinator von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Die Details wurden unter anderem mit der Unterstützung eines Röntgenfluoreszenz-Analyse-Core-Scanners gewonnen. Dadurch konnte nachgewiesen werden, dass sich die Naturkatastrophe innerhalb von nur einigen tausend Jahren anbahnte und nach 50.000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Erst weitere 170.000 Jahre später hatte sich das Klima vom Methanschock erholt und auf ein neues Gleichgewicht eingependelt. Durch das Kippen des Ozeans starben schlagartig etwa 30 bis 50 Prozent aller am Meeresboden lebenden Foraminiferen aus. Gleichzeitig kam es auch auf den Kontinenten zu einer biologischen Revolution. Aus tropisch-subtropischen Breiten wanderten Primaten und andere Säugetiere nach Nordamerika ein und in der Arktis lebten Krokodile. (pte/red)