Wien - Das jüngste Produkt für Aktienfonds heißt Style Investing und kommt - wenig überraschend - aus den USA, wo Style Funds schon seit rund fünfzehn Jahren unter das Anlegervolk gebracht werden. Im Wesentlichen wird dabei zwischen zwei Ausrichtungen differenziert.

Erstens kann ein Style Fonds ausschließlich Wachstumswerte im Portefeuille haben (Growth Funds), Aktien von Unternehmen also, die ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum aufweisen. Eine zweite Variante ist die alleinige Orientierung am Unternehmenswert (Value Funds). Bislang noch weniger populär sind zwei andere Style-Fonds-Typen: jene, die sich nach einem bestimmten Markt oder auf Small Caps, also Werte mit geringer Börsenkapitalisierung, ausrichten.

Vorreiter in Europa in diesem neuen Produktfeld ist das britisch-amerikanische Investmenthaus J.P. Morgan Chase Fleming, das seit dem Vorjahr zwei europäische Style-Fonds anbietet und damit bisher ein Anlegervolumen von 7,2 Milliarden Schilling (525 Mio. Euro) lukriert hat. Fondsmanager Christian Elsmark ist überzeugt, dass Styling die Zukunft ist: "Die langfristige Entwicklung zeigt, dass die Märkte eindeutig und dauerhaft bestimmte Konstellationen belohnen, hingegen andere ebenso dauerhaft bestrafen.

Um beim FF-European Strategic Value Fund Aktien mit hohem Unternehmenswert, aber niedrigem Aktienkurs zu finden, steht zunächst an allererster Stelle die Berechnung von fundamentalen Kennzahlen, also der Relation zwischen Kurs und Gewinn oder Kurs und Cashflow. In der Feinanalyse werden Aktien nach Unternehmensnachrichten und Plausibilität ausgesondert. Mit jedem Schritt der Beurteilung steigt die Chance, bei so genannten "fallen angels" billig einzusteigen. Auch in Österreich hat Elsmark einen "gefallenen Engel" gefunden: Sein Value Fonds enthält einen kleinen Anteil an OMV-Aktien. Für den FF-European Strategic Growth Fund macht sich der Brite hingegen auf die Suche nach Wachstumsunternehmen mit "starkem Gewinn und einem guten Preis". Die oberste Devise heißt hier: Rasch verkaufen, wenn schlechte Nachrichten im Umlauf sind.

Trends, Moden, Haute Couture

Auch Österreichs Fondsmanager sind überzeugt, dass Styling zwar - nicht nur in der Haute Couture - ein Modewort ist, als neues Produkt aber durchaus seine Berechtigung hat. "Das Fondsmanagement ist in Bewegung geraten. Die klassische Ausrichtung auf Länderallocations tritt immer mehr in den Hintergrund, da die geographischen Grenzen - vor allem durch das Euroland - verfließen", sieht Klaus Glaser, Leiter des Fondsmanagements der Raiffeisen-KAG eine glänzende Zukunft für neue Trends im Fondsgeschäft. Allerdings, räumt KAG-Fondsmanager Philip Schifferegger, habe Raiffeisen bisher noch keine Pläne, Style-Fonds in die Portefeuilles aufzunehmen oder solche auf den Markt zu bringen. (masch, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 12. 3. 2001)