Moskau - Der russische Außenminister Igor Iwanow hat am Dienstag die Kritik an der Vertiefung der Beziehungen seines Landes zum Iran zurückgewiesen. Bei einem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Kamal Kharrasi, der am Vortag zusammen mit Präsident Mohammed Khatami nach Moskau gekommen war, wertete Iwanow die Annäherung Moskaus und Teherans als "Element der Stabilität in der Region und auch weltweit". Zur Kritik vor allem der US-Regierung und amerikanischer Medien an einem neuen Waffenlieferungsabkommen und am Khatami-Besuch meinte Iwanow, dass diese nur versuchten, Russland und den Iran "in ein schlechtes Licht zu rücken". Trotz westlichen Misstrauens hatten Teheran und Moskau am Vortag eine Vertiefung ihrer Zusammenarbeit in der Rüstung und Atomindustrie vereinbart. Moskau werde sich jedoch an internationale Abkommen halten und keine verbotenen Waffen liefern, sagte Präsident Wladimir Putin nach einem Treffen mit Khatami. Der Wert der zukünftigen russisch-iranischen Rüstungsgeschäfte wurde auf etwa 300 Millionen US-Dollar jährlich geschätzt. Die US-Regierung hatte am Vorabend Bedenken gegen die Pläne geäußert. Khatami wollte in Moskau auch mit Ministerpräsident Michail Kasjanow sprechen. Weitere Stationen des dreitägigen Besuchs sollten St. Petersburg und Kasan, die Hauptstadt der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Tatarstan an der Wolga, sein. Russland und der Iran wollen die militärische verstärken. Russland hat weitere Waffenlieferung zugesichert. Beim ersten russisch-iranischen Gipfeltreffen seit mehr als zehn Jahren einigten sich Moskau und Teheran am Montag auf einen Ausbau der militärischen und nuklearen Zusammenarbeit. Russland wolle "aus wirtschaftlichem Interesse" mit Iran zusammenarbeiten, sagte der russische Staatschef Wladimir Putin nach einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Mohammed Khatami in Moskau. Das Land wolle sich keine Waffen zulegen, die "außerhalb internationaler Verträge" lägen, sagte Putin mit Blick auf Befürchtungen, Iran wolle sich Massenvernichtungswaffen beschaffen. Auch werde Russland mit dem Ausbau der militärischen Kooperation internationale Verpflichtungen nicht verletzen. Recht auf Selbstbestimmung Putin betonte, die Regierung in Teheran habe das Recht, sich gegen Angriffe von Außen zu verteidigen. Khatami betonte nach dem Treffen, beide Länder hätten in der Frage der Verteidigung ein Recht auf Selbstbestimmung. Die USA sehen im Iran eine potenzielle Bedrohung des Weltfriedens. In einem am Montag unterzeichneten Kooperationsvertrag verpflichteten sich Russland und der Iran zum gegenseitigen Gewaltverzicht. Beide Staaten wollen zudem die nukleare Zusammenarbeit im Energiesektor vorantreiben. Iran wolle seinen nuklearen Energiesektor "auf Grundlage internationaler Abkommen" ausbauen, betonte Putin. Das langsame Vorankommen beim Bau des iranischen Atomreaktors in Bushehr müsse "korrigiert" werden. Der 1994 in Auftrag gegebene Reaktorbau, an dem Russland beteiligt ist, war von den USA scharf kritisiert worden. Washington befürchtet, dass der Kernreaktor Iran zur Entwicklung von Atomwaffen dienen könnte. Beim langjährigen Streit über das reiche Erdölvorkommen im Kaspischen Meer erzielten die beiden Staatschefs zunächst keine Einigung. Putin nahm eine Einladung nach Iran an, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Außenminister Igor Iwanow meldete. Als letzter iranischer Staatschef hatte Akbar Hashemi Rafsandjani im Jahr 1989 die damalige Sowjetunion besucht. (APA/dpa)