Außenministerin Benita Ferrero-Waldner dürfte ob ihres Planes, das Kulturinstitut in Paris schließen und das Gebäude verkaufen zu wollen, ganz schön in Bedrängnis geraten sein. Schließlich musste selbst sie einbekennen, dass sie eine "beeindruckende Unterschriftenliste" mit den Namen vieler prominenter Künstler erhalten hat, die sich für den Erhalt des Kulturinstituts einsetzen. Der drohende Imageverlust für die "Kulturgroßmacht", wie Ferrero-Waldner Österreich bezeichnet, musste daher rasch in einen Sieg verwandelt werden - und sei es nur mithilfe eines Illusionstricks. Und so verkündete die Ministerin stolz eine "Reform", die den "größten Innovationsschub in der Auslandskulturarbeit seit 1945" darstelle. Statt elf eigenständigen Kulturinstituten werde es künftig "weltweit" (na ja, nördliche Hemisphäre) 28 Kulturforen geben. Klingt toll. Wir wären, so Ferrero-Waldner, "damit erstmals auch in Städten wie Berlin, Madrid, Moskau, Tel Aviv und Tokio mit echten kulturellen Zentren präsent!" Wir waren, gesteht die Ministerin aber damit indirekt ein, bisher nicht "mit echten kulturellen Zentren" in den genannten Städten präsent. Und wir werden es auch nicht sein. Es ändert sich schließlich nicht viel - außer dass die bisherigen Kulturabteilungen der Botschaften (wie die Kulturinstitute) einen anderen Namen, nämlich "Kulturforum", erhalten: Sie werden auch in Zukunft von den politischen Vertretungen verwaltet. Ohne echte Autonomie und ohne Teilrechtsfähigkeit. Daher wird es auch in Paris nach dem Verkauf des Kulturinstitutsgebäudes - man stelle sich vor, die Franzosen würden das Palais Clam-Gallas in der Währinger Straße schließen und verkaufen! - kein "echtes kulturelles Zentrum" mehr geben: verwaltet von der Botschaft. Der Illusionstrick wird nicht aufgehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 3. 2001)