Der Schriftsteller Robert Ludlum, Verfasser äußerst erfolgreicher Thriller, ist im Alter von 73 Jahren einer Herzattacke erlegen. Sein Verlag, die St. Martin's Press in New York, teilte am Dienstag mit, der Autor sei am Vorabend in Naples im US-Bundesstaat Florida nach einem Infarkt gestorben. Seine 22 Romane sind in 32 Sprachen übersetzt und in der enormen Auflage von 210 Millionen Exemplaren weltweit verbreitet worden. "Ein Buch von Ludlum zu lesen ist wie der Genuss eines James-Bond-Films: Die Handlung läuft im atemberaubenden Tempo ab, die politischen Details sind absolut überwältigend, und Waffen wie Frauen haben scharfen Sex-Appeal", schrieb das US-Magazin "Entertainment Weekly" über Ludlum. Der Meister des Spionageromans hatte erst Ende vergangenen Jahres mit seinem jüngsten Werk "The Prometheus Deception" wieder ein Buch vorgelegt, das Kritiker und Leser begeisterte. Er arbeitete an mehreren neuen Büchern, von denen wenigstens drei noch erscheinen werden, wie der Verlag am Dienstag ankündigte. Bekannt wurde Ludlum durch Bestseller wie "Das Ostermann-Wochenende", "Das Scarlatti-Erbe" und "Der Rheinmann-Tausch". Verschwörungen bis in die höchsten Ebenen, Helden, die beim Kampf gegen das Böse über sich selbst hinaus wachsen und bis zum Schluss anhaltende Spannung - mit diesem Rezept zog der Autor seine Leser drei Jahrzehnte lang in den Bann. Von Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn an spezialisierte sich Ludlum auf Themen, die ihre Spannung nicht nur aus gefährlichen Situationen beziehen, sondern auch aus der politischen Situation. So handelt sein erster Roman "Das Ostermann-Wochenende" (1971), der von Sam Peckinpah verfilmt wurde, von dem Versuch des CIA, eine Verschwörung gegen die Freiheit der westlichen Welt zu vereiteln. Immer wieder sind es einzelne, überaus fähige Männer, denen Ludlum die Bürde auferlegt, das scheinbar allgegenwärtige Böse zu bekämpfen. Dabei waren dem Autor inneramerikanische Konflikte ebenso wichtig wie internationale Dramen. In Büchern wie "Das Jesus-Papier", "Der Holcroft-Vertrag" und "Die Lennox-Falle" stellt der Autor Verbindungen zu Nazi-Deutschland her, dessen böse Kräfte er in der Gegenwart weiterwirken lässt. Ob das realistisch ist, interessierte ihn selbst wenig. "Um etwas glaubwürdig darzustellen, bedarf es einer historischen Basis, und von dort wandert die Fantasie", sagte der Autor einmal. Bis zu seinem 40. Lebensjahr hatte Ludlum sein Geld als Schauspieler, Produzent und Sprecher von Fernsehwerbespots verdient. Er spielte am New Yorker Broadway und in den 50er Jahren auch in mehreren Fernsehserien. (APA)