Berlin - Der erste Teil der Gesamtausgabe des Briefwechsels zwischen den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm ist jetzt im traditionellen Verlag der Brüder Grimm, S. Hirzel Stuttgart, erschienen. Der Band enthält knapp 600 Briefe, die sich über einen Zeitraum von sieben Jahren erstrecken, teilte die Berliner Humboldt-Universität am Dienstag mit. Sie ist ein Zentrum sowohl des Wirkens der Grimm-Brüder als auch der Forschungen. Der von Heinz Rölleke (Wuppertal) herausgegebene Briefband erscheint als erster Band einer kritischen Ausgabe des gesamten Briefwechsels der Literaturforscher, Sprachwissenschafter und Sammler von Volksüberlieferungen ("Kinder- und Hausmärchen", "Deutsches Wörterbuch") mit etwa 2.000 Briefpartnern. Insgesamt werden etwa 30.000 Briefe dokumentiert. In Arbeit ist der Kommentarband zum Briefwechsel der beiden Brüder untereinander. "alberne gebrauch groszer buchstaben für alle substantiva" Wilhelm Grimm berichtete 1809 seinem Bruder über das "lustige Berliner Leben". Er war aber an den "Visiten" und "elegantesten Stuben" nicht sonderlich interessiert, sondern eher an dem "altdeutschen Bücherstaub" in den reichhaltigen Berliner Bibliotheken, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag aus dem Briefwechsel zitiert. Die Brüder gingen bald zur Kleinschreibung über, weil ihnen der "alberne gebrauch groszer buchstaben für alle substantiva" gegen den Strich ging. In ihrem Wörterbuch hielten sie sich 33 Bände lang daran. Der in Hanau geborene Jacob Grimm (1785-1863) war Professor für Altertumswissenschaften in Göttingen, wo er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm (1786-1859) wegen seiner freiheitlichen Gesinnung als einer der "Göttinger Sieben" amtsenthoben und des Landes verwiesen wurde. 1840 wurde er zusammen mit seinem Bruder auf Betreiben Alexander von Humboldts vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen, um Vorlesungen an der Berliner Universität zu halten. Wörterbuch 1848 wurde Jacob Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und widmete sich bis zu seinem Tod nur noch seinen wissenschaftlichen Vorhaben, vor allem dem "Deutschen Wörterbuch". Erst Generationen nachfolgender Wissenschafter brachten dieses Monumentalwerk 1961 zu einem ersten Abschluss. Jacob Grimm galt als bedeutendster Sprachforscher seiner Zeit. Von 1812 bis 1818 gab er mit seinem Bruder die Sammlung deutscher Sagen und Märchen heraus. Wilhelm wird dabei der Hauptanteil an der sprachlich meisterhaften Gestaltung zugeschrieben. Seit zehn Jahren arbeiten deutsche und ausländische Wissenschafter, die sich seit 1995 in einem interdisziplinären Herausgeberkollegium zusammengeschlossen haben, an den Briefen von und an Jacob und Wilhelm Grimm. Die Berliner Humboldt-Universität engagiert sich seit Jahren für dieses Projekt. Die Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel an der Philosophischen Fakultät II koordiniert als Informationsstelle mit umfassenden Recherchemöglichkeiten zu den Briefen und der Forschungsliteratur die gesamte Ausgabe und zeichnet für Redaktion und Computersatz verantwortlich. (APA)