Wien - Geht es nach Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S), soll die Studentenfreifahrt in Wien wieder eingeführt werden. "Ich biete dem Bund eine halbe-halbe-Lösung an", erklärte Häupl am Dienstag. Sollte der Bund die Hälfte der Kosten mit Mitteln aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) tragen, würde Wien die zweite Hälfte übernehmen. Die Mehrbelastung für die Stadt beziffert Häupl mit rund 80 Millionen Schilling. Die Regelung soll all jene Studenten betreffen, die auch Familienbeihilfe beziehen. Derzeit studieren in Wien 127.300 Studenten. Davon haben 49.567 ein Semesterticket erworben, 37.095 beziehen eine Familienbeihilfe. Derzeit kostet das Semesterticket den Studenten 1.200 Schilling, der Bund zahlt 380 S, die Stadt weitere 400 S dazu. Für die kommenden Jahre existiert ein Vertrag zwischen Bund und Land Wien, der eine Kostenteilung zu je 390 Schilling pro Ticket vorsieht. Die Gesamtkosten belaufen sich für die Stadt - und damit auch für den Bund - auf jeweils etwas mehr als 100 Millionen Schilling. Häupl-Vorstoß für ÖH "nicht besonders seriös" Mit gemischten Gefühlen sieht der Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), Martin Faißt, den Vorstoß des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl zur Wiedereinführung der Studentenfreifahrt. Seit über zwei Jahren versuche die ÖH eine Lösung bezüglich der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien zu erzielen. Die SPÖ Wien hätte schon lange die Möglichkeit gehabt, den Studenten entgegen zu kommen, meinte Faißt in einer Aussendung. "Dass im Zuge des Wahlkampfs die Studierenden als Zielgruppe entdeckt werden, ist prinzipiell zu begrüßen. Es ist jedoch nicht besonders seriös, zwei Jahre eine in über 50 deutschen Städten erprobte Lösung abzulehnen, um dann im Wahlkampf als großer Studierendenfreund aufzutreten." "Abgesehen davon, dass es nahezu unmöglich war, überhaupt Gesprächstermine bei der damals zuständigen Finanzstadträtin Ederer zu bekommen, war die Stadt Wien nicht bereit, ein Semesterticket-Modell umzusetzen", erklärte Faißt. Mit den jetzt plötzlich zur Verfügung stehenden 80 Millionen Schilling hätte den Studierenden schon seit zwei Jahren ein verbilligtes Modell angeboten werden können. (APA)