Den Haag - Eine breite Koalition von niederländischen Kirchen und andere Organisationen hat am Dienstag in Den Haag gegen den niederländischen Gesetzentwurf protestiert, der ärztliche Sterbehilfe für ausweglos kranke Patienten straffrei machen soll. Die Kritiker riefen in einer gemeinsamen Erklärung die Erste Kammer des Parlaments auf, den bereits von der Volksvertretung (Zweite Kammer) angenommenen Gesetzentwurf abzulehnen. Die Erste Kammer, die in ihrer Funktion mit dem Deutschen Bundesrat vergleichbar ist, soll am 10. April über das Gesetz entscheiden. Falls auch sie zustimmt, werden die Niederlande das erste Land der Welt mit einem Euthanasiegesetz. Zu wenige Garantien "Dieser Gesetzentwurf führt dazu, dass Euthanasie in der Gesellschaft immer mehr als normales ärztliches Handeln angesehen wird", heißt es in der Erklärung. Der Gesetzgeber müsse sich viel mehr um Schmerzlinderung und Sterbensbegleitung kümmern. Der Entwurf biete zu wenige Garantien für die Schutzwürdigkeit des Lebens. Nach Ansicht des katholischen Bischofs von Den Bosch, Antoon Hurkmans, bestehen bessere Möglichkeiten, um die Menschlichkeit in Leid und Tod zu gewährleisten. Generalsekretär Bas Plaisier vom Verbund der zusammenarbeitenden protestantischen Kirchen sieht die Rechtssicherheit des Einzelnen in Gefahr. Er kritisierte, dass die Beratungen in der Volksvertretung von vorher bekannten Standpunkten geprägt waren und in Fraktionsdisziplin ausgetragen wurden. Dadurch hätten einzelne Abgeordnete nicht genug Raum zur Vertretung eigener Gedanken erhalten. An der Kritik haben sich auch Moslemgruppen, die jüdisch-orthodoxe Gemeinschaft und Patientenvereinigungen beteiligt. Jeder Fall meldepflichtig Nach den Bestimmungen des Entwurfs dürfen Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen Patienten künftig beim Sterben helfen. Sie müssen vor ihrer Entscheidung die Patienten ausführlich informieren und die Meinung eines Kollegen einholen. Nach der Hilfe sind sie verpflichtet, jeden Fall einer Prüfungskommission zu melden. Mit dem Gesetz soll die seit Anfang der 90er Jahre praktizierte Duldung ärztlicher Sterbehilfen in den Niederlanden durch eindeutige Regelungen abgelöst werden. (APA/dpa)