San Jose/Wien - Im Jahre 1999 noch als Gegner angetreten, schmieden die beiden ungleichen Unternehmen Microsoft und das Internetauktionshaus eBay gemeinsame Zukunftspläne. Als Morgengabe bringt eBay seine Auktionssoftware ein, die künftig nur noch mit der internetbasierten Software von Microsoft ( Anm.: Programm auf XML-Basis ) weiter entwickelt werden soll. Für Microsoft spielt diese Partnerschaft eine große Rolle, um die Internetstrategie "Microsoft.Net" ( Abk. ".Net", sprich: Dotnet ) schnell umsetzen zu können. Microsoft überlässt eBay dafür seine Authentifizierungssoftware "Passport". Über den Wert der Allianz hüllten sich die beiden Schwergewichte in Schweigen. Rund 100 Millionen Internetsurfer sollen laut Angaben von Microsoft bereits die "Passport"-Software nutzen. Einmal ins Internet eingestiegen, kann der Benutzer ohne weitere Anmeldung und Registrierung mehrere Onlineläden ansurfen, um dort seine Einkäufe zu machen. Microsoft erhält dabei einen Überblick, welcher Kunde wo was wann einkauft. Falls Passport wie die Bürosoftware von Microsoft zum De-facto-Standard wird, könnten jene Onlineläden, die diese Technologie nicht nutzen, das Nachsehen haben. Web-TV Ein wesentlicher, sichtbarer Bestandteil der Liaison zwischen eBay und Microsoft besteht darin, dass eBay noch heuer auf unterschiedlichen Seiten des Softwareriesen mit seiner Auktionsplattform vertreten sein wird. Die Auktionsseiten werden künftig auf den zu Microsoft gehörenden Websites des Internetdienstes MSN (Microsoft Network), der Automobilplattform Carpoint, der Informationsseite bCentral für Klein- und Mittelbetriebe sowie auf WebTV platziert. Mit WebTV will Microsoft Internet-Fernsehen salonfähig machen. eBay und Microsoft haben bereits seit einiger Zeit Programmierer ausgetauscht, um sich gegenseitig Einblick in die Technologien zu gewähren. eBay möchte auf Dauer ein "Betriebssystem für E-Commerce" à la Windows für PCs schaffen. Endgültig vergessen hat eBay den Frontalangriff von Microsoft, das gemeinsam vor zwei Jahren mit dem Internetdienst Excite@Home sowie dem Internetportal Lycos gegen den Online-Auktionator antreten wollte. (APA/jake/DER STANDARD, Printausgabe 14.3.2001)