Wien - "Irgendwie ist es unfair: Napster hat das Ganze erfunden, muss die Schwierigkeiten ausbaden, und die anderen machen auf seine Kosten weiter!", beschwert sich ein User namens "Haserl" im Chatroom von MusicCity.com . Die anderen Teilnehmer geben ihm Recht - und schieben gleichzeitig die aktuellsten Musik-Titel von Metallica und Co. übers Netz. "Haserl" ist wie viele andere ehemalige Napster-Anwender auf das Servernetz von MusicCity.com umgestiegen, wo nach wie vor unbeeinflusst von Richtersprüchen und Copyrights Musikdateien getauscht werden. Alle Informationen, die Napster dank der ihm aufgezwungenen Datenbankfilter diskret für sich behält, gibt MusicCity großzügig weiter - und freut sich über einen noch nie da gewesenen Zuwachs an neuen Usern. Links zu mehr als sieben Millionen Dateien auf verschiedensten Rechnern rund um den Globus standen Freitagnachmittag im MusicCity-Netz, dessen Betreiber zwar aus verständlichen Gründen geheim bleiben will, aber vorsichtshalber gleich auf seiner Website die Adresse seines Rechtsvertreters im US-Bundesstaat Oregon angibt. Man tauscht auch Filme Und es sind nicht nur MP3s, die da verschoben werden: Komplette Kinofilme stehen in dem umstrittenen DivX-Format zum Download parat, obwohl es freilich schon eines sehr starken Internetzuganges bedarf, um eine 700 Megabyte große Datei zu übertragen. Auch das in Italien entstandene Musiktauschnetzwerk DJNap erfreut sich regen Zulaufs: Mehr als 8000 User waren am Freitag hier online und boten rund 1,8 Millionen Songs zum Tausch an, und daneben gibt es noch Dutzende kleinere Netzwerke, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie benutzen die Napster-Technologie zum Peer-to-Peer-Filetransfer. Bekanntlich stehen die Daten, um die es hier geht, ja nicht auf den Servern von Napster und Konsorten, das Einzige, was diese Firmen anbieten, sind Datenbanken, die darüber Auskunft geben, welche Dateien ein gerade bei ihnen eingeloggter User auf seiner Festplatte zum Tausch anbietet, und dann bei Bedarf den Benutzer, der eine Datei sucht, mit einem anderen User, der diese Datei besitzt, zusammenbringt. Da die Basistechnologie die von Napster ist, kann man auch auf die anderen Netze direkt mit der Napster-Software zugreifen; man muss lediglich mit einem kleinen Hilfsprogramm dafür sorgen, dass sich der Computer nicht mehr bei Napster, sondern bei MusicCity oder DJNap einloggt. Diese Software gibt es - natürlich - gratis im Internet. Es werden aber auch andere Clients wie z.B. "Fileshare" angeboten, die anders aussehen, eventuell auch Zusatzfunktionen bieten, letztendlich aber auch wieder auf Napster aufsetzen. (Uwe Fischer-Wickenburg, DER STANDARD, Printausgabe