Mit dem von der Nato genehmigten Einmarsch der jugoslawischen Streitkräfte in einen Teil der Pufferzone in Südserbien entlang der Grenze zu Mazedonien verzeichnet die unter wachsendem Druck der Öffentlichkeit stehende serbische Regierung einen dringend notwendigen politischen Erfolg: Es ist, wie es in Serbien heißt, der Beginn der Herstellung der unter Slobodan Milosevic verlorenen Souveränität über diesen Teil des serbischen Territoriums. Die als Antwort auf die Gewalt albanischer Extremisten entstandene Partnerschaft mit der Nato muss Belgrad jedoch mit militärischen Kompromissen bezahlen: Das jugoslawische Heer muss schwere Waffen vom Außenrand der Sicherheitszonen zurückziehen, die Einheiten der jugoslawischen Armee und der serbischen Polizei innerhalb der Zone unterliegen dem direkten Kommando der im Kosovo stationierten Friedenstruppen Kfor, dürfen nicht selbstständig agieren und sind nur beschränkt bewaffnet. Der unter Druck der USA vereinbarte Waffenstillstand im Presevo-Tal gönnt der Staatengemeinschaft eine Atempause, ist jedoch äußerst trügerisch. Die Voraussetzungen für einen Friedensdialog sind nach wie vor denkbar schlecht. Die Führer der albanischen "Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac" (U¸CPMB), die für die Angliederung Südserbiens an den Kosovo kämpfen, erklärten gleich, sie seien für die "Aktionen einzelner Kommandanten nicht verantwortlich". Gleichzeitig dauern die Kämpfe im benachbarten Mazedonien zwischen den staatlichen Sicherheitskräften und der albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" an. Und nach den offensichtlich abgestimmten Rebellenoffensiven in Südserbien und Mazedonien sind bald auch Unruhen in dem zu 90 Prozent von Albanern bewohnten Süden Montenegros an der Grenze zu Albanien und dem Kosovo zu erwarten. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 14. 3. 2001)