Mailand - Italiens nationale Fluggesellschaft versucht mit Kursmanövern den unaufhaltsam scheinenden Tiefgang zu bremsen. Der neue Konzernchef Francesco Mengozzi verhandelt mit der Air France über eine Kooperation. Diese soll vorerst die Nordatlantik-Route betreffen, sagte ein Konzernsprecher in Rom. Allerdings sei Air France nicht der einzige potenzielle Partner, die Kontakte zur Swissair und zur KLM werden fortgesetzt. Wie es heißt, versuche Mengozzi vorerst nur Allianzen für bestimmte Strecken. Finanzielle Verflechtungen werden zurzeit nicht angepeilt. Auch deshalb, weil Alitalia erst die Finanzen sanieren muss, um auf gleichwertiger Ebene zu verhandeln. Dafür scheint der neue Konzern-chef mit einer jahrzehntelangen Erfahrung als Sanierer in italienischen Staatsbetrieben der geeignete Mann zu sein. Ende dieses Monats wird der Alitalia-Verwaltungsrat die Geschäftsergebnisse 2000 präsentieren. Und diese weisen voraussichtlich einen wesentlich höheren Verlust aus als die ursprünglich genannten 180 Mio. EURO (2,48 Mrd. S). Kapitalaufstockung Um die finanzielle Situation zu meistern, will Alitalia neuerlich mit der zuständigen Wettbewerbsbehörde in Brüssel zwecks einer Kapitalaufstockung verhandeln. Eine entsprechende Forderung wurde im Jahr 1997, als Alitalia eine Rekapitalisierung von rund 1,4 Mrd. EURO (19,3 Mrd. S) forderte, nur zum Teil bewilligt. Nun hat EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti wissen lassen, dass eine Wiederaufnahme der Gespräche nicht auszuschließen sei.

Italiens Fluggesellschaft benötigt dringend eine Finanzspritze, um den ehrgeizigen Investitionsplan bis zum Jahr 2004 umzusetzen. Auch die seit langem geplante Privatisierung lässt auf sich warten. Italiens Fluggesellschaft wird noch zu 53 Prozent vom Staat kontrolliert. 20 Prozent liegen in Händen der Belegschaft. Diese ist stark gewerkschaftsorientiert. Insofern ist der Entscheidungsprozess schwieriger und die Streikgefahr höher. Die Aufgabe Mengozzis ist es nicht nur, internationale Partner zu finden, die Gunst der zuständigen Behörden in Brüssel für eine entsprechende Kapitaloperation zu gewinnen, sondern sich auch "die Gewerkschaften vom Hals zu halten". (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe 15.3.2001)