Wien - Die Sozialpartner haben sich in ihrem Reformpapier zur Krankenkassensanierung auf Einsparungen im Medikamentenbereich in Höhe von einer Milliarde Schilling festgelegt. Die einzelnen Vorhaben sind heute, Donnerstag, Hauptthema eines Gipfelgesprächs mit Sozialministerium und Vertretern von Pharma-Industrie und Apothekerkammer. Beide Berufsgruppen haben im Vorfeld klar gemacht, dass für sie weitere Einsparungen nicht vorstellbar sind. Ganz anders sehen das die Sozialpartner, die u.a. eine Spannensenkung durch das Sozialministerium bei Apotheken und Arzneimittelgroßhandel auf den europäischen Durchschnitt fordern. Basierend auf Untersuchungen des Industriewissenschaftlichen Instituts kommt der Hauptverband der Sozialversicherungsträger zum Ergebnis, dass der Großhandelszuschlag in Österreich um 0,9 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt. Eine Senkung der Spanne um eben diese 0,9 Prozent würde immerhin eine Kostenersparnis von 170 Millionen bedeuten. Beim Apothekenzuschlag liegt Österreich sogar um 7,8 Prozent (oder acht Schilling pro Packung) über dem Europa-Schnitt. Würde diese Differenz ausgeglichen, käme es zu einer Kostensenkung um 800 Millionen Schilling. Das tatsächliche Einsparungspotenzial für die Kassen läge allerdings etwas geringer, da bei einer Spannensenkung der jetzt gewährte Solidaritätsbeitrag der Apotheken von 176 Millionen Schilling wegfallen würde. Handlungsbedarf seitens des Sozialministeriums sehen die Sozialpartner auch bei jenen Medikamenten, die ohne Preiskontrolle in den Markt eingeführt werden. Hier besteht die Möglichkeit einer Prüfung der Preishöhe im Nachhinein. Konkrete Ergebnisse solch eines Preisdämpfungsverfahrens, wie es vom Hauptverband mehrfach gefordert wurde, liegen bisher nicht vor. Weiteres Anliegen der Kassenreformer ist eine Direktbelieferung der ärztlichen Hausapotheken durch den Arzneimittel-Großhandel. Die Kostenersparnis durch die Einkaufsvorteile wird mit 120 Millionen beziffert. Derzeit ist zwischen Großhandel und ärztlicher Hausapotheke noch die öffentliche Apotheke zwischengeschaltet. Verstärkt werden soll nach Meinung der Sozialpartner der Einsatz der kostengünstigeren Generika. Notwendig dafür wäre auch eine Beschleunigung der Zulassungsverfahren. Die 100-prozentige Substitution aller Verordnungen einer Gruppe durch das billigste Generikum auf Basis der Ökonomieliste ergäbe ein Einsparungspotenzial in Höhe von 300 Millionen Schilling. Der Hauptverband will überdies eine vermehrte Rezeptfreistellung von Arzneispezialitäten, sofern dies der medizinischen Zweckmäßigkeit entspricht. Ausgeweitet werden soll zudem die Abgabemöglichkeit von Heilmitteln durch Anstaltsapotheken. Bei diesem Punkt ist für den Hauptverband kein konkretes Einsparungspotenzial bezifferbar. Langfristige Wirkung soll die Einführung eines "Grünen Rezepts" für Medikamentenalternativen haben. Dieses Projekt hat zum Ziel, dass in leichteren Fällen der Einsatz von Medikamenten vermieden wird, und statt dessen alternative Behandlungsmethoden angewendet werden. (APA)