Villach - Die Unsicherheiten am weltweiten Halbleitermarkt, die vor wenigen Tagen in einer Gewinnwarnung des Elektronikriesen Siemens gipfelten, lassen die Österreichtochter des Chipherstellers Infineon kalt. Spezialisiert auf Mikrochips für Steuerungssysteme in Autos, Telekommunikation und Sicherheitselektronik, wird die Konjunkturdelle bei Speicherbausteinen kein Loch in die Villacher Bilanz reißen, erwartet Peter Fischl, Finanzvorstand der Infineon-Mutter in München, am Donnerstag nach der Aufsichtsratssitzung. "Die Elektronik im Auto nimmt ständig zu, und wenn das so bleibt, ist die Zukunft in Villach gesichert." Die Auftragslage in der Automotive- Sparte und in der drahtgebundenen Telekommunikation ist sogar so gut, dass Infineon Technologies Austria bis September weitere 180 Millionen Euro (2,47 Mrd. Schilling) in die Produktionserweiterung und in neue Technologien am Standort Villach investiert. Zusammen mit den 123 Mio. € des ersten halben Geschäftsjahres, fließen heuer 303 Mio. € nach Österreich. 90 Prozent davon gehen nach Kärnten, den Rest buttert die Siemens-Tochter (Infineon gehört noch zu 71 Prozent dem deutschen Elektronikriesen, Anm.) in die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Graz, Linz und Wien. Um sich besser gegen die "Schweinezyklen" des Halbleitermarkts zu schützen, konzentriert sich Infineon weltweit auf Innovationen, die Erschließung neuer Märkte, Einsatzmöglichkeiten und Produktionsverfahren. Die jährlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung bezifferte Fischl mit 1,2 Mrd. €, das sind 15 Prozent des Umsatzes. Speicherkrise Die anfälligste Sparte, die Speicherbausteine, machte im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 46 Prozent des Infineon-Umsatzes aus. Darin dürfte auch der Grund für die Gewinnwarnung liegen: Infineon ist nach wie vor eine der wichtigsten Ertragssäulen von Siemens. Da der PC-Absatz weltweit zuletzt stark rückläufig war, fürchtet Siemens offenbar negative Auswirkungen. "Unsere Ergebnisprognosen werden halten", ist Fischl überzeugt, der seit März bei PC-Speicherchips eine spürbare Belebung ortet. Im zweiten Halbjahr sollte es weiter aufwärts gehen, das würden auch Analysten bestätigen. Auch der Durchhänger im Mobilfunk sollte vergehen - spätestens mit der neuen Handygeneration UMTS, für die Infineon bereits erste Chipsätze präsentiert hat. Das neue Betriebsgebäude, das ab Mai besiedelt werden soll, hätte Platz für 200 neue Mitarbeiter, nach denen Infineon dringend sucht. Heuer sollte sich die Zahl der Mitarbeiter in Villach auf knapp 2800 erhöhen. In den Standorten Graz, Linz und Wien arbeiten weitere 160. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 16.3.2001)