b> Frankfurt - Noch zu Jahresanfang war die Mehrzahl der Währungsexperten davon überzeugt, dass der Euro sein Tief überwunden hat und noch heuer die Parität mit dem Dollar erreichen werde. Doch diese Erwartungshaltung ist spätestens seit Donnerstagabend vorbei, als der Euro erstmals seit drei Monaten wieder unter die Marke von 0,90 Dollar rutschte. Am Freitag fiel die Gemeinschaftswährung auf ein Tief von 0,8924 Dollar, stieg aber im Laufe des Tages wieder auf 0,90 Dollar. Der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer, begründete den Rückgang mit der Konjunkturschwäche in Deutschland, wo die Wirtschaft im vierten Quartal kaum gewachsen sei. Entgegen den Erwartungen hätte sich die europäische Wirtschaft von den USA nicht abkoppeln können. Schnellere Erholung in den USA Analysten erwarten inzwischen eine schnellere Erholung in den USA als in Europa, weil die US-Notenbank Federal Reserve eher zu Zinssenkungen bereit sei als die Europäische Zentralbank (EZB). Deshalb habe die Entscheidung der EZB am Donnerstag, die Leitzinsen unverändert zu lassen, den Euro weiter geschwächt, obwohl höhere Zinsen eine Währung üblicherweise stärken. Genauso wirkt sich die Erwartung, dass die Fed am nächsten Dienstag die Leitzinsen um bis zu 75 Basispunkte senken könnte, positiv auf den Dollar aus. Derzeit sind die Wachstumserwartungen wichtiger für die Devisenmärkte als die Zinsen.

Weitere Faktoren für die Euro-Schwäche sind der Druck auf den Yen durch die Sorge über die japanische Wirtschaft, was den Dollar in die Höhe treibt, und die Rückführung von Kapital durch US-Fondsgesellschaften an deren heimische Märkte, wodurch Euro-Positionen aufgelöst werden. Gerüchteweise hat auch der Kauf des US-Konzerns Voicestream durch die Deutsche Telekom in den vergangenen Tagen einen Abfluss von fünf bis sechs Mrd. EURO in den Dollar verursacht. (red)