Wien - Manchmal braucht auch ein Bürgermeister eine Pause. So ungefähr zwei Stunden pro Wahlkampftag, verschreibt sich da etwa Michael Häupl - und wahlkämpft natürlich trotzdem. Zum Beispiel bei einem Totenschmaus im Rathaus. Freilich: Sowohl Häupl als auch die Gefeierten des "Abschiedsfestes für die Liberalen", hätten sich Mittwochabend im Wiener Rathaus dagegen verwahrt, eine "schene Leich'" zu begehen. Und auch der Vorwurf, jenes Häuflein, das mit der Kraft der Verzweiflung darum kämpft, als "Liberales Forum" nach dem 25. März wieder ins Rathaus einzuziehen, sollte von denen die abgesprungen wären so ein letztes Mal gedemütigt werden, war natürlich völlig fehl am Platz: Jene vier Gemeinderäte, die sich im Vorjahr vom LiF abgespalten hatten - Gabriele Hecht, Michalea Hack, Marco Smoliner und Hanno Pöschl - feierten ihren Abschied vom Rathaus. Und Michael Häupl kam, um als Hausherr "baba" zu sagen. Er tat dies nicht ungern. Eben weil sich ein Abschied von der politischen Bühne auch als "intellektuelle Enklave" und "jene Erholungsphase, die ich mir mindestens einmal täglich selbst verordne" anbot: Marco Smoliner erzählte, dass er "am Tag nach der Angelobung des neuen Gemeinderates" wieder als Polizist Dienst versehen würde, Ex-LiF-Chefin Gabriele Hecht freute sich darauf, "wieder Steuerberaterin" sein zu dürfen - und alle vier Politik-Abschiednehmer freuten sich als der Bürgermeister Hecht ein Gläserset und den Mitgehern Bücher schenkte. Es habe, erklärte Häupl sein Geschenk, öfters "Verständnisprobleme" zwischen ihm und den Scheidenden gegeben "an denen ich oft Schuld war". Darum gab es für jeden Ex-Lif-Mandatar ein Wiener Mundartwörterbuch. Schließlich betonte ja auch Hecht im Smalltalk, man könne eine Rückkehr in die Politik nie komplett ausschließen: "Vielleicht gibt es ja irgendwann einmal wieder eine liberale Partei." Und das war ganz bestimmt nicht als Spitze gegen irgendjemanden gemeint. "Viel Spaß" der FPÖ Ganz ohne zähnefletschendes Lächeln wandte sich der Bürgermeister am Rande der Veranstaltung dann aber doch wieder dem aktuellen Wahlkampf zu: Gerade weil Aussagen wie jenen des Neo-FP-Kandidaten Peter Schumann "mit aller Kraft und Deutlichkeit" entgegengetreten werden müssen, wären Erholungsräume in den zivilisierten Zonen der politischen Landschaft unabdingbar. Überrascht, so Häupl, hätte ihn die Schuman-Aussage aber nicht: "Ich kenne diesen Herrn schon seit langem. Die FPÖ wird noch viel Spaß mit ihm haben. Der hat noch jedem Verein bei dem er war nicht gut getan." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD 16. März 2001)