Wien - Die Jet2Web-Telekom-Austria (TA) kommt nicht zur Ruhe. Vier bis sechs Wochen Wartezeit auf einen ISDN- oder ADSL-Anschluss verärgern nicht nur die Telefonkundschaft, sondern auch die Internetprovider, die auf die Dienstleistung der TA angewiesen sind. Die Warteliste Anschluss suchender Kunden ist lang: Internen Informationen zufolge können derzeit 25.000 Telefonanschlüsse nicht hergestellt werden, weil das notwendige Material nicht zur Verfügung steht oder die ausführenden Mitarbeiter bereits abgebaut wurden. Davon seien 16.000 "normale" Telefon- bzw. ISDN-Anschlüsse, der Rest für das Breitbandinternet ADSL (A-Online speed). "Das ist ein absoluter Blödsinn", weist Technikvorstand Rudolf Fischer derartige Behauptungen zurück. Er räumt aber ein, dass es Lieferprobleme gibt und begründet den Rückstau mit Lieferschwierigkeiten der Industrie und dem großen Aufwand, mit dem das Telefonnetz auf die neue Technologie ADSL aufgerüstet werden müsse. Aufregung um Auftragsvergabe In Industriekreisen sorgt indes für Aufregung, dass die TA Aufträge in Milliardenhöhe nicht nach international üblichen Kriterien ausschreibt und vergibt. Was den Mitbewerbern noch sauer aufstößt: Alcatel gehört bei jedem Auftrag zu den Fixstartern und Gewinnern. Der Technikchef kontert empört: "Wir sind gar nicht verpflichtet, öffentliche Ausschreibungen zu machen." Er beruft sich dabei auf eine EU-Verordnung, nach der im Wettbewerb stehende öffentliche Unternehmen nicht den allgemeinen Vergaberichtlinien unterliegen würden. "Nichtsdestotrotz haben wir im Herbst 1999 für den ADSL- Auftrag fünf Unternehmen eingeladen, Angebote zu legen. Den Auswahlkriterien technische Kompetenz am Weltmarkt, Verfügbarkeit und kommerzielle Gründe hätten nur Alcatel und Ericsson entsprochen, was schließlich zur Auftragsvergabe geführt habe. Das Auftragsvolumen bezifferte Fischer nicht, versicherte aber, dass größere Netzbetreiber in Europa "sicher nicht weniger" bezahlt hätten als die "kleine" Telekom. Laut Insidern bringt der ADSL-Auftrag gut zwei Milliarden Schilling (145 Mio. Euro) auf die Waage. Allein die erste Ausbaustufe mit 20.000 Anschlüssen hat früheren Angaben zufolge 120 bis 150 Mio. S gekostet. Wie berichtet, hat die TA im Herbst 1999 rund 15.000 ADSL-Lines an Alcatel vergeben, der Rest ging an Ericsson. Bis Herbst 2000 wurden dann laut Rahmenauftrag 88.000 ADSL-Lines installiert, rechnet Fischer vor. Vor wenigen Wochen ging ein weiterer Auftrag über 100.000 Anschlüsse an die Franzosen, bei denen Fischer in früheren Jahren beschäftigt war. "Obwohl Alcatel massive Lieferschwierigkeiten hat", ätzt ein Mitbewerber. "Ein Wettbewerb der Anbieter würde nicht nur die Kosten senken, sondern auch die Leistung", merkt ein Marktbeobachter. (ung)