Maßnahmen gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS) können nur funktionieren, wenn das Zusammenspiel der Verantwortlichen in Bund und Ländern reibungslos funktioniert. In Wien hat das Landesveterinäramt (Magistratsabteilung 60) nach eigenen Angaben alle Betriebe, die Klauentiere halten, über mögliche Vorsichtsmaßnahmen informiert. Deren Umsetzung erfolge jedoch auf freiwilliger Basis, wie betont wurde. Konkrete Schritte sind laut MA 60 schon in der Veterinärmedizinischen Universität und bei der Wiener Tierkörperbeseitigung geschehen: Dort seien bereits Seuchenteppiche ausgelegt worden. Steiermark Graz/Wien - Das Land Steiermark zum Beispiel hat einen umfassenden Alarmplan fixiert, sollte es tatsächlich zu Maul- und Klauenseuchen-Fällen kommen: Landesveterinär-Direktor Josef Köfer sagte am Freitag, alle dort fixierten Maßnahmen seien "mehrfach durchgespielt worden, was dann zu passieren hat", allerdings sei im Fall des Falles auch "Glück" notwendig. Köfer: "Zwischen Übung und Brand gibt es auch immer Unterschiede". Das letzte Mal brach die Seuche in der Steiermark 1966 aus, von der großen Welle 1973 war das Bundesland nicht betroffen. Die vom Bund angeordneten Maßnahmen - Seuchenteppiche auf dem Flughafen Graz, strenges Verbot für die Einfuhr von Fleischprodukten durch Touristen, die aus bereits betroffenen Ländern kommen, oder Aufklärung von Schülergruppen, die auf Sprachferien fahren - laufen bereits. Auf die Frage, wie groß die Chance sei, dass es tatsächlich auch im Land zu einem Ausbruch der Tierseuche kommen könnte, meint der Landesveterinär: "Durch die Mitnahme von Produkten kann immer etwas passieren". Derzeit werde vom Zoll rigoros geprüft, sogar Zeitungen dürften aus England kommende Flugzeuge nicht verlassen, sondern würden zurück geschickt. Auf Landesseite hat man sich mit einem Alarmplan gewappnet, der, so Köfer, auch mit der Exekutive und dem Bundesheer abgestimmt wurde. Darin enthalten sind u. a. die Bestimmungen über das Einhalten von Schutzzonen oder Schlachtbestimmungen. Was das "Glück" betrifft, das bei einem noch so gut vorbereiteten Krisenfall notwendig sei, verweist Köfer auf bestimmte Faktoren: "Es ist ein Unterschied, ob MKS in einer Region mit intensiver Viehwirtschaft oder in einem Seitental ausbricht, sogar die Windrichtung kann Ausschlag gebend sein", denn MKS wird auch durch Wind verbreitet. Köfer: "Wir sind drauf und dran, nichts dem Zufall zu überlassen, aber alles ist nicht steuerbar". Linz - Seuchenteppiche und System der Einzelabholung Linz - Der Linzer Schlachthof hat Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um der Verbreitung der Maul- und Klauenseuche, sollte sie in Oberösterreich zum Ausbruch kommen, entgegenzuwirken. In der Bringung der Tiere setzt man auf das teure und komplizierte System der Einzelabholung, Fahrzeuge müssen Seuchenteppiche passieren. Eine nicht zu unterschätzende Vorkehrung ist auch die routinemäßige Begutachtung der Tiere durch einen Tierarzt. Die erste Sicherheitsmaßnahme war, die Tiere jedes Landwirts einzeln abzuholen und so der Verbreitung der Seuche - sollte sie an einem Hof ausbrechen - entgegenzuwirken. Dies ist allerdings ein enormer Kostenfaktor und in der Umsetzung "fast unmöglich", wie der Sprecher des Linzer Schlachthofes die Lage beurteilte. Diese Art der Abholung der Tiere habe bereits zu Problemen geführt, so wurde beispielsweise am Mittwoch kein einziges Tier geschlachtet. Auch im Schlachthof selbst werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Alle Fahrzeuge, die in das Gelände einfahren bzw. dieses verlassen, müssen Seuchenteppiche passieren. Man arbeitet auch an Verbesserungen, so werden beispielsweise in den nächsten Tagen neue Desinfektionsmittel für die Seuchenteppiche zur Anwendung kommen. Der geschätzte wirtschaftliche Schaden im Fall des Auftretens einer Maul- und Klauenseuche-Erkrankung in Oberösterreich konnte seitens des Schlachthofes nicht beziffert werden. Allerdings sei man durch die BSE-Krise schon vorgewarnt. Diese habe in den vergangenen Monaten zu "Löchern" in der Auslastung, einem der wichtigsten wirtschaftlichen Parameter des Betriebes, geführt und diese zeitweise auf die Hälfte oder gar nur ein Drittel reduziert. Niederösterreich - Strikte Überwachung der Tiertransporte St.Pölten - Alle Bezirkshauptmannschaften in Niederösterreich sind hinsichtlich der Ausstattung an Desinfektionsmitteln in Bereitschaft versetzt, die Alarmpläne sind in Erinnerung gerufen worden. Das berichtete NÖ Veterinärdirektor Franz Karner am Freitag zu den gesetzten Vorbeuge-Maßnahmen gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS). Die Bürgermeister, denen gemäß der Tierseuchengesetzgebung in derartigen Fällen Verantwortung zukommt, sind hinsichtlich der Sperrmaßnahmen in Kenntnis gesetzt. Entsprechende Informationen gab es weiters für die landwirtschaftlichen Betriebe und Schulen, auch die Zuchtverbände wissen Bescheid. Laut Karner erfolgt in Zusammenarbeit mit den Gendarmeriekommanden eine strikte Überwachung der Tiertransporte. Tiermärkte sind ebenso untersagt wie Vermittlungen von Ferkeln zu Mastbetrieben. Wie bereits Agrarlandesrat Josef Plank (V) in einer Pressekonferenz am Mittwoch stellte auch Karner fest, dass die Beschränkungen der Tiertransporte in wirtschaftlicher Hinsicht einmal mehr die "kleinen" Bauern treffen. Für diese bringe das Verbot von Sammelfahrten empfindliche Mehrkosten mit sich. Schlachthöfe hätten einerseits Schwierigkeiten mit der Auslastung. Andererseits sind weitere Strecken als bisher zurückzulegen, was für Schlachtbetriebe insbesondere im Weinviertel massive logistische Probleme aufwerfe. Andere Schlächter würden auf deutsche Lieferanten ausweichen, was wiederum zum Nachteil der heimischen Landwirte gereiche. Die Verbote von Vermittlungen an Mastbetriebe bedeuten, dass ein Bauer die Ferkel nicht mehr wie bisher mit 30 Kilogramm zum für dieses Gewicht festgelegten Preis abgeben kann, erläuterte Karner. Die Sensibilierung in Sachen MKS erstreckt sich auf alle Bereiche. In der Tierkörperbeseitigungsanstalt in Tulln wird noch gründlicher als bisher desinfiziert. Hier gibt es große Sorgen hinsichtlich der Finanzierung des Betriebes. Die Landwirte sind weiters angehalten, größte Hygiene walten zu lassen, wenn einmal ein Tier am Hof verendet: Der Kadaver ist weit weg vom Stall zu bringen und abzudecken. Karner warnte weiters davor, dass bei drohenden Tierseuchen vor allem Höfe, die eine "offene Stallpolitik" betreiben, gefährdet seien. Das betrifft Ab-Hof-Verkäufer, die den Einkauf für Kunden als Erlebnis für die ganze Familie - mit "Streichelzoo" für die Kinder - gestalten. Laut Aussendung der NÖ Landeskorrespondenz haben die Landwirtschaftsfachschulen Schüleraustauschprojekte ins Ausland vorübergehend gestoppt. In den Schulställen werden Seuchenteppiche errichtet, das Personal ist angehalten, sich an die Bekleidungsvorschriften und Verhaltensregeln für die MKS-Vorbeugung zu halten. Salzburg - Infoblätter der ÖBB Salzburg - Um zu verhindern, dass die Maul- und Klauenseuche Österreich erreicht, haben nun auch die ÖBB in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium vorbeugende Maßnahmen ergriffen. So werden nun in den drei Personenzügen, die von Österreich nach Frankreich fahren, Informationsblätter verteilt, hieß es in der ÖBB-Zentrale in Wien am Freitag auf Anfrage der APA. Dieses Informationsblatt des Sozialministeriums weist unter anderem auf die Übertragungsart der Maul- und Klauenseuche hin. Aber auch der Flughafen Salzburg hat gemeinsam mit der Landesveterinärdirektion vorgesorgt. Fluggäste, die aus Frankreich oder Großbritannien kommen, passieren, bevor sie den Airport verlassen, einen mit Natronlauge getränkten Seuchenteppich, erklärte Wolfgang Leikam von der Flughafen-Betriebsleitung. Die Auswirkungen der Maul- und Klauenseuche bekam Salzburgs größter Schlachthof (Bergheim) bereits zu spüren. Gestern, Donnerstag, konnte beispielsweise der Betrieb nicht aufgenommen werden, da kein Vieh da gewesen sei, teilte Pressereferent Udo Steckholzer mit. Im Schlachthof selbst sei das Verständnis für die notwendigen Maßnahmen jedoch groß. Die Stimmung sei gut. Es bleibe vorerst abzuwarten, ob die gesetzliche Regelung, die vorerst bis 28. März die Viehtransporte von Hof zu Hof verbietet, nach diesem Datum weiter aufrecht erhalten wird. Tirol - Schlachthöfe noch nicht betroffen Innsbruck - Die Vorsichtsmaßnahmen gegen die Maul- und Klauenseuche (MKS) sind in Tirol weiterhin aufrecht. Das teilte Landesveterinärdirektor Eduard Wallnöfer am Freitag mit. Der obligatorische Gang über den Seuchenteppich am Flughafen Innsbruck, werde von den Reisenden wohlwollend" akzeptiert. Über sonstige Sicherheitsvorkehrungen sollen die Tiroler Bevölkerung und ihre Gäste in einem Informationsschreiben in Kenntnis gesetzt werden. Schlachthöfe seien in Tirol vorerst nicht betroffen. Für die bäuerliche Bevölkerung sei es besonders wichtig zu berücksichtigen, dass lebende Klauentiere, Fleischwaren und Felle nicht aus England, Frankreich und Deutschland importiert werden dürften. Bis auf weiteres seien Viehmärkte, Ausstellungen, Auftriebe für Reihenuntersuchungen, Räudebadungen von Schafen und Transporte zur Durchführung von Deckgeschäften vorerst verboten. Lediglich der direkte Transport von Klauentieren von einem landwirtschaftlichen Betrieb zum anderen oder von einem Betrieb zu einem Schlachthof sei möglich. Beim Export ins Ausland müsse der Amtstierarzt des Empfängerlandes unbedingt 24 Stunden vorher informiert werden. Nach Italien könnten auf Grund der verhängten Sperre vorerst keine Tiere mehr geliefert werden, erklärte Wallnöfer. Sollte in Tirol ein MKS-Fall auftreten, würde dies nach Ansicht Wallnöfers eine "Katastrophe" für das Land darstellen. Nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern die gesamte Tiroler Wirtschaft wäre davon betroffen. Sehr günstig sei das nahende Frühjahr im Kampf gegen den MKS-Virus. Bei warm-feuchtem Klima würde der Virus nämlich absterben, erklärte Wallnöfer. (APA)