Berlin - Der künftige jugoslawische Botschafter in Wien, Mihajlo Kovac, plädiert für eine "entschlossenere Aktion der Staatengemeinschaft" angesichts der Balkankrise. Das Eindringen bewaffneter albanischer Extremisten in die südserbische Pufferzone und nach Westmazedonien sei ein letztes Signal dafür. Schon morgen könnte es zu spät sein, warnte einer der ehemals populärsten TV-Moderatoren Ex-Jugoslawiens in einem Gespräch mit der APA. Nachdem er das Agrement der österreichischen Regierung erhalten hat, erwartet Kovac, noch vor Monatsende "zum vorläufigen Wien-Einwohner" werden zu können. "Ineffizienz" "Im Süden Serbiens ist die Krise in der Tat vom Kosovo her exportiert worden. Sie ist nur ein weiterer Beweis der vollen Ineffizienz der internationalen Friedenstruppe KFOR und der UNMIK bei der Umsetzung der UNO-Resolution 1244 (zum Kosovo)" meint er. Extremistische Gruppen albanischer Separatisten und Terroristen, die sich der Misshandlung, Vertreibung und Ermordung von serbischen und sonstiger nichtalbanischer Zivilisten schuldig machten, hätten die NATO und die UNO dem Spott ausgesetzt. "Die jugoslawische Öffentlichkeit kann die richtigen Motive für die mitfühlende und tolerante Haltung gegenüber den albanischen Extremisten und die Weigerung der KFOR, sie zu entwaffnen und somit wenigstens einen Beweis für ihre unparteiische Sicherheitsrolle aufzubringen, kaum verstehen", sagte der Diplomat. Österreich war eines der ersten Staaten, die den Plan des serbischen Vizepremiers Nebojsa Covic zur Bewältigung der Krise im Süden Serbiens unterstützt haben. Im Unterschied zu anderen, weiterhin misstrauischen Ländern habe sich Wien auch für die volle Aufhebung der in der Ära Milosevic entstandenen Pufferzone (an der administrativen Grenze des Kosovo) eingesetzt, unterstrich Kovac. "Die Serben haben Milosevic seines Amtes enthoben, die NATO-Allianz muss die Pufferzone entfernen." Ein internationales Monitoring sei im Unterschied zu den früheren Zeiten nicht störend, sondern zwecks rascher Problemidentifikation sogar erwünscht. Auch Montenegro-Krise befürchtet Kovac befürchtet, dass die Trennung Montenegros von der Bundesrepublik Jugoslawien eine weitere Krise hervorruft. Die ablehnende Haltung des montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic zu Jugoslawien auch nach dem Ende der Ära Milosevic ist für ihn "logisch" nicht erklärbar. Das Recht der Montenegriner auf ein Selbstbestimmungsreferendum wolle man in Serbien keineswegs bestreiten, sagte Kovac. Zweifel am demokratischen Charakter des Plebiszits würden jedoch wegen der vorgeschriebenen Verfahrensweise entstehen. Nach dem Referendumsgesetz werden montenegrinische Staatsbürger mit Wohnsitz in Serbien nämlich an dem Volksentscheid nicht teilnehmen können. Kovac, der seit 1994 im Belgrader UNO-Büro als Medienberater tätig war, und selbst einer serbisch-ungarischen Mischehe entspringt, deklariert sich als "verstockter" Gegner von jedem Nationalismus und jeder Änderung von Staatsgrenzen nach ethnischen Linien. "Es reicht, ein Wiener Telefonbuch aufzumachen, um sich davon zu überzeugen, dass die ethnische Vielfalt kein Hindernis für die Errichtung einer erfolgreichen, zivilisierten Gemeinschaft ist". Als Abgeordneter einer 1990 entstandenen Jugoslawenpartei hatte Kovac im serbischen Parlament jedoch erfolglos um die Erhaltung des früheren Jugoslawien gekämpft. Zwischen Jugoslawien und Österreich gibt es seiner Ansicht nach "keine offenen und noch weniger unlösbare Probleme". "Das größte Problem ist der objektive Unterschied in der internationalen Stellung der zwei Staaten, ihrer Wirtschaftskraft, der politischen und sozialen Stabilität." Österreich habe eine "hohe Stufe des guten Willens und des Verständnisses" für die jugoslawischen Probleme bekundet, die sich erst nach dem Sturz von Milosevic im vollen Licht gezeigt hätten. "Erst nach dem 5. Oktober wurde die Büchse der Pandora der niederschmetternden Ergebnisse seiner Herrschaft geöffnet, welche Jugoslawien nicht alleine und ohne Hilfe Europas, das heißt, auch nicht ohne Österreich, zu lösen vermag." Die Bundesrepublik Jugoslawien sei in die internationale Arena zurückgekehrt und habe ihre Grenzen geöffnet. "Dies bekommen auch viele österreichische Politiker und Geschäftsleute zu spüren, die mein Land als willkommene Partner und Freunde besuchen." Nach dem Regimewechsel in Belgrad vom Vorjahr sind nach Ansicht von Kovac Voraussetzungen für die Förderung bilateraler Beziehungen zwischen Belgrad und Wien, aber auch für ihre strategische Partnerschaft in vielen regionalen Projekten und Initiativen geschaffen worden. (APA)