Wien - "Natürlich glauben manche, sie haben mit dem Haus die Straße mitgekauft." ÖVP-Bezirksvorsteher Karl Homole steht in der Gersthofer Straße und spricht über Währing, "seinen", den bürgerlichen Bezirk. Aber eigentlich habe der Bezirk eine gute Mischung, meint er und zeigt auf einen Gemeindebau aus dem Jahr 1930. Den letzten im Bezirk hat er vor zwölf Jahren eröffnet. Weil es inzwischen "auch keine Gründe gibt dafür". Keine jedenfalls, die der Gemeinde gehören, ergänzt er lachend und schaut zu einer Baustelle. Frei finanzierte Eigentumswohnungen werden gebaut, samt Hausgarage. Früher stand dort in der Gersthofer Straße ein "Knusperhäuschen" (Homole) mit Bäumen im Garten. Der Kampf um die Bürgerlichen ist in Währing auch ein Kampf für mehr Parkplätze. "Manche Familien haben sich für fünf Plätze in der neuen Parkgarage angemeldet." Währing sei halt über weite Teile gutbetucht, sagt Homole. In zwei Sätzen könne er den typischen Währinger Bürgerlichen aber nicht charakterisieren. "Ich könnt' jetzt sagen, gehen S' ins Cottageviertel." Aber selbst dort gebe es nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Mietwohnungen. Homole ist jedenfalls froh, dass die viel diskutierte Parkgarage unter dem Schubertpark Ende des Jahres gebaut wird. "Und dabei werden nicht 37, sondern weniger als 20 Bäume gefällt." Ein Segen für den Bezirk und seine Bewohner sei das. Die 377 Stellplätze sind vergeben, ein zweites Projekt ist in Planung. Schließlich habe Währing acht bis zehn Prozent Autoneuzulassungen im Jahr. Es sind nur fünf Stationen mit der Straßenbahn in die Innenstadt. "Aber in die vielen Kleingärten dort oben, kommt man ohne Auto gar nicht hin." Homole ist stolz, dass die Gesamtbezirksfläche zu mehr als einem Drittel grün ist. Eine ältere Dame kommt vom Einkaufen, kurzes Vorwahlplaudern ist angesagt. "Schöne Grüße daheim", Homole übergibt ihr ein Stoffsackerl mit Werbematerial. In den vergangenen Jahren konnten auch die Grünen und die Liberalen bei vielen Bürgerlichen punkten. Homole meint aber, mit seinen Taten für den Bezirk könne er sie schon wieder überzeugen. "Zusätzliche Parkplätze" rangieren an ersten Stelle seiner Erfolgsliste knapp vor "Sicherheit und Komfort für Fußgänger". Ein Mittdreißiger spricht ihn an: "Tun Sie doch bitte was gegen die Raser, die hier immer bei Rot drüberfahren. Ich habe zwei Kinder!" "Anzeigen", rät der Bezirksvorsteher, "wenn ich mit dem Auto fahr' und so einen seh', sprech' ich gleich seine Autonummer aufs Diktiergerät." (DER STANDARD, Print-Ausgabe 19.3.2001)