Am Moderator Paul Tesarek ist es sicher nicht gelegen: Die wichtigsten stadtrelevanten Themen dieses Wahlkampfes wurden in der TV-Konfrontation am Sonntag ja angesprochen. Verkehr und Integration etwa. Aber auch eine "Pressestunde" kann letztlich nur das widerspiegeln, was sich bisher in der Auseinandersetzung abgespielt hat. Und das war nicht viel. Gewiss: "Ausländer" sind ein Thema - aber von einem regelrechten "Ausländerwahlkampf", wie er etwa noch 1996 in Wien stattgefunden hat, ist das weit entfernt. Ansonsten: der neue politische Gottseibeiuns von FP und VP namens Rot-Grün - und das rot-grüne Feindbild der Bundesregierung.

Natürlich hätte in der TV-Konfrontation noch ein Thema angesprochen werden können, mit dem dieser Wahlkampf vermutlich in Erinnerung bleiben wird. Aber dann wäre dieser Fernsehauftritt Gefahr gelaufen, zu einer Lachnummer zu geraten. Der fröhliche Kandidatenreigen der FPÖ. Der Listen-Fünfte Peter Schumann, der noch am Freitag zurücktritt und dann am Sonntagvormittag erst vom Rücktritt zurücktritt und dann vom Rücktritts-Rücktritt wieder zurücktritt. Allein Schumanns Begründung für seinen Kuddelmuddel sagt unendlich viel darüber aus, wie sorgfältig die FPÖ ihre Kandidaten auswählt und vorbereitet: "Ich habe nicht gewusst, dass ich noch kein Gemeinderat bin", erklärte Schumann allen Ernstes. Allen Ernstes? Schumann sah sich bei dieser Gelegenheit dazu veranlasst, der Austria Presse Agentur zu versichern, dass er "nicht betrunken und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte" sei.

Aber das alles wurde im vollen Umfang auch erst nach der "Pressestunde" bekannt. Eine derartige Paarung von Wahlkampf und Lachkrampf wäre einer ersthaften TV-Diskussion auch unwürdig gewesen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 19.3.2001)