Wien - "Damals gingen die Frauen für das Wahlrecht, den Mutterschutz und die Arbeitnehmerinnenrechte auf die Straße. Das Frauenwahlrecht wurde eingeführt, und daran gibt es nichts zu rütteln. Aber 90 Jahre später sind die Themen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor aktuell", erklärte SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer am Sonntag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ und unterstrich, dass der Frauentag am 19.März 90 Jahre alt wird. Stadlbauer forderte, "damit Kind und Berufstätigkeit besser unter einen Hut gebracht werden können", den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, ein Recht auf Teilzeitarbeit sowie den Ausbau der Gleichbehandlungsgesetze. "Die Verschlechterung des Kündigungsschutzes und die Abschaffung der Teilzeitkarenz sind hier sicher ganz falsche Signale", verwies Stadlbauer auf das Kindergeld-Modell der Regierung. Neue, ungewohnte Erscheinung Am 19. März 1911 demonstrierten die sozialistischen Frauen in Wien, Amstetten, St. Veit an der Glan, Bregenz und Linz unter dem Motto "Den Frauen ihr Recht". "Demonstrierende Frauen, die hinter roten Fahnen herziehen, das war nicht alltäglich. Zeitzeugen berichteten damals von einer eher neuen, ungewohnten Erscheinung und einem würdevollen Zug", erläuterte Stadlbauer. Mehr als eine Million Frauen und Männer nahmen an diesem Tag in Österreich, Dänemark, Deutschland und Schweden an Frauentags-Märschen der sozialistischen Frauen teil. Was mit einem vorausgegangenen Beschluss bei der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen begann, wurde auch nach dem Erreichen des Wahlrechts für Frauen im Jahre 1918 nicht überflüssig. Andere Themen traten in den Vordergrund: die Reform des Familienrechtes, die Abschaffung des § 144 - dem Verbot des Schwangerschaftsabbruchs -, die Verbesserung der Situation der Frauen im Arbeitsleben. Der Frauentag war Jahr für Jahr der Tag, an dem die sozialistischen Frauen ihre gesellschaftlichen und politischen Forderungen an die Öffentlichkeit trugen. Mit dem UNO-Jahr der Frau 1975 wurde der Sozialistische Frauentag zum Internationalen Frauentag aller Frauen. Frauenpolitik als Fußnote der Familienpolitik Scharfe Kritik übte Stadlbauer an der "konservativ-populistischen frauenfeindlichen Regierungspolitik". Was in den letzten 30 Jahren sozialdemokratischer Frauenpolitik mühsam aufgebaut wurde, sei nun in Gefahr. "Die FPÖ-ÖVP-Regierung macht Frauenpolitik zur Fußnote der Familienpolitik. Das Kindergeld ist das beste Beispiel dafür: Durch längeres zu Hause bleiben auf der einen Seite und Verschlechterungen beim Kündigungsschutz sowie der Teilzeitkarenz auf der anderen Seite werden die Frauen an den Herd zurückgedrängt", so Stadlbauer. "Wir wollen die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frauen sicherstellen, durch gleichberechtigten, freien Bildungszugang, ein Frauen-Mindesteinkommen von 15.000 Schilling, ein modernes Karenzrecht, ein neues Unterhaltsmodell und mit einer eigenständigen Alterssicherung für die Frauen", betonte Stadlbauer abschließend. (red)