Boston/Wien - 25 bis 30 Prozent der Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs dürfen auf einen besseren Behandlungserfolg hoffen: Herceptin, ein Medikament, das aus monoklonalen Antikörpern besteht und gegen den Rezeptor für einen Tumor-Wachstumsfaktor wirkt, verlängert die die durchschnittliche Überlebenszeit um 24 Prozent. Das neue Medikament wird zusätzlich zur herkömmlichen Chemotherapie verabreicht. In der angesehenen US-Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine" sind jetzt (15. März) die Ergebnisse einer internationalen Studie erschienen, an der auch österreichische Patientinnen teilnahmen. Federführend für Österreich war dabei Univ.-Prof. Dr. Raimund Jakesz, Chef der chirurgischen Universitätsklinik am Wiener AKH. Darum geht es: Die Wissenschafter wollten herausfinden, ob man mit dem Antikörper-Präparat Herceptin zusätzlich zu einer normalen Chemotherapie eine fortgeschrittene Brustkrebs-Erkrankung besser bremsen kann. Der Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche hat dazu den monoklonalen Antikörper "Trastuzumab" entwickelt. Funktionsweise Diese Antikörper besetzen an der Oberfläche von Mammakarzinom-Zellen den HER2-Rezeptor. Das ist eine Andockstelle für den Tumor-Wachstumsfaktor Epidermal Growth Factor (EGF). Er treibt die Zellteilung der bösartigen Zellen stark an. Dadurch wächst der Tumor schneller. Bei 25 bis 30 Prozent der Mammakarzinome weisen die Tumorzellen an ihrer Oberfläche eine extrem vermehrte Anzahl der Rezeptoren auf. Dadurch kann EGF intensiver wirken. In die wissenschaftliche Untersuchung wurden zwischen 1995 und 1997 insgesamt 469 Patientinnen aufgenommen. Sie alle wiesen bereits Metastasen auf. Das bedeutet, dass ihre Heilungschancen gering waren. 234 der Frauen erhielten die übliche Chemotherapie mit Zytostatika. 235 Patientinnen bekamen zusätzlich noch regelmäßig Herceptin. Die Behandlungsergebnisse unter zusätzlicher Verwendung des neuen Medikaments bedeuten offenbar einen Fortschritt: Bei jenen Frauen, die auch Herceptin erhielten, zeigte sich durchschnittlich ein Stillstand der Erkrankung über einen Zeitraum von 7,4 Monaten hinweg. In der Vergleichsgruppe (ohne Herceptin) dauerte es durchschnittlich 4,6 Monate, bis ein Fortschreiten beobachtet wurde. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Frauen erhöhte sich bei der zusätzlichen Verwendung von Herceptin von 20,3 auf 25,1 Monate. Das bedeutet eine durchschnittliche Verlängerung der Lebenserwartung um 24 Prozent. (APA)