Wien - Die Analysten der Raiffeisen Zentralbank (RZB) empfehlen, bei Veranlagungen an Wachstumsmärkten die US-Technologiebörse Nasdaq zu bevorzugen. Skeptisch zeigen sich die RZB-Experten hingegen über eine Bodenbildung der am Neuen Markt in Frankfurt gelisteten Wachstumswerte. Während an der Nasdaq eine Erholung zu erwarten sei, müsse sich der Neuer Markt erst das beschädigte Vertrauen durch bessere Informationspolitik wieder aufbauen. Der Leiter der RZB-Aktienanalyse Helge Rechberger erwartet "für den Nasdaq Composite Index eine Gegenbewegung, die ein Ausmaß von bis zu 25 Prozent erreichen wird". Der Motor dieser Gegenbewegung dürfte aber nicht fundamentaler Natur sein. Eine spürbare Verbesserung der Gewinnsituation im US-Technologiesektor sei erst für das Jahr 2002 zu erwarten, heißt es in einer aktuellen RZB-Analyse. Vielmehr sei nach den starken Kursrückgängen mit einer technischen Gegenreaktion zu rechnen, die durch eine gute Liquiditätssituation nach dem in diesem Jahr gestarteten Zinssenkungszyklus begünstigt werde. NEMAX: Deutlich weniger Kurspotenzial Obwohl der Neue Markt in der Vergangenheit wesentlich stärkere Ausschläge gezeigt hat und auch die aktuelle Volatilität höher ist als die der Nasdaq, sieht die RZB von einer etwaigen Erholungsphase am Neuen Markt deutlich weniger Kurspotenzial. Der Neue Markt sei in vielen Belangen wie Investorenstruktur, Reife der Unternehmen, Informationspolitik, Transparenz und Aufsicht wesentlich weniger weit entwickelt, begründet das Institut die skeptische Einstufung. Daher sei das Grundvertrauen in den Neuen Markt bei weitem niedriger als in die Nasdaq-Unternehmen. "Während an der Nasdaq große Unternehmen mit jahrelangem Track Record dominieren, bei denen in Krisenzeiten zwar Bewertung und Kursentwicklung, nicht jedoch der Bestand selbst ernsthaft in Frage gestellt wird, fallen am Neuen Markt auch 'Blue Chips' in die Bedeutungslosigkeit zurück", führt Rechberger aus. Zudem sei das Bewertungsniveau im Frankfurter Wachstumssegment trotz der jüngsten Kursrückgänge zu hoch. Während an der Nasdaq teilweise bereits vernünftige Bewertungsniveaus erreicht seien, ist der Neue Markt nach wie vor als überteuert zu bezeichnen, so der Experte. Schließlich sei auch der Spielraum für die europäische Geldpolitik auf Grund der Inflationssituation beschränkter als jener, der US-Notenbank Fed. Aus technischer Sicht seien für den Nemax All Share-Index für sämtliche am Neuen Markt gelistete Werte mit einem Unterschreiten der Marke von 1.634 Punkten ein weiterer Rückfall zu den psychologischen Marken 1.500 und 1.000 zu befürchten. Ein Überschreiten der Linie von 1.935 Zählern würde hingegen eine kurzfristige Erholung anzeigen, die dem Markt einen Anstieg bis auf 2.400 Punkten bescheren konnte. (APA)