Prag/Wien - Rund zwei Dutzend Konsortien wollen bei der Vollprivatisierung des tschechischen Energieproduzenten CEZ mitmischen. Die größten Chancen werden neben National Power aus Großbritannien der deutschen E.ON und Electricité de France (EdF) eingeräumt. Sowohl E.ON als auch EdF wollen sich, wie berichtet, durch die Übernahme des von Verbund, steirischer Estag und oberösterreichischer Energie AG gehaltenen 27- Prozent-Pakets an der EVN auch in Österreich stark engagieren. Die EdF hält zudem einen Viertelanteil an der deutschen EnBW, der ebenfalls Interesse am EVN-Paket nachgesagt wird. Mit der Interessentensuche für die vom Nationalen Eigentumsfonds gehaltenen 67,6 Prozent an CEZ sind Deloitte & Touche sowie eine tschechische Beratungsfirma betraut. Industrie- und Handelsminister Miroslav Gregr, der die Letztentscheidung hat, würde den Einstieg der Franzosen gern sehen, heißt es. 200 Mrd. Kronen (80 Mrd. S/5,8 Mrd. €) sollen durch den Verkauf in die Staatskasse fließen. Die Führungscrew von CEZ hingegen würde National Power bevorzugen, da die Managementmentalität der Briten ähnlich ihrer eigenen sei. Stromlandschaft "planiert" Am schwersten von den dreien dürfte sich E.ON tun. Sowohl Gregr als auch CEZ- Chef Jaroslav Mil befürchteten, dass die tschechische Stromlandschaft bei einem Einstieg von E.ON "planiert" würde. Bei CEZ heißt es dazu lapidar: "Kein Kommentar." E.ON ist einer der größten Abnehmer tschechischen Atomstroms. Zu CEZ gehört unter anderen das Atomkraftwerk Dukovany, das seit vielen Jahren Strom liefert. Die wegen Sicherheitsmängeln immer wieder verzögerte Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks in Temelín soll nun im Juli erfolgen, der zweite Block soll 2002 ans Netz. "Die tschechische Regierung will Temelín so schnell wie möglich in Betrieb nehmen, andernfalls könnte der Preis von CEZ sinken", vermutet Jan Haverkamp, der für die Umweltorganisation Greenpeace in Prag sitzt, im Gespräch mit dem Standard. Interessiert seien die Konsortien weniger an den Produktionskapazitäten als vielmehr am Hochspannungsnetz und an den sechs Versorgungsunternehmen, die gemeinsam mit CEZ zum Verkauf stehen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 20.3.2001)