London/Würzburg - Wissenschafter haben eigenen Angaben zufolge ein Gen identifiziert, das an der Entstehung einer besonderen Form von Schizophrenie beteiligt ist. Das berichtet die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Molecular Psychiatry. Das Gen liegt auf dem Chromosom 22 und liefert die Vorlage für ein WKL 1 genanntes Eiweiß. Dessen genaue Funktion ist noch unbekannt. Es weist aber den Forschern der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg zufolge einige Ähnlichkeiten mit Ionen-Kanälen auf, die an der Reizweiterleitung im Gehirn beteiligt sind. Ungefähr ein Prozent der deutschen Bevölkerung ist von Schizophrenie betroffen. Bei der jetzt näher erforschten Schizophrenie-Form fallen die Erkrankten in eine völlige Bewegungsstarre. Spontan kann diese Starre in einen Erregungszustand übergehen, bei dem der Kranke sich selbst oder andere verletzt. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. "Die Schizophrenie ist eine komplexe Erkrankung mit komplexen Ursachen", sagt Klaus-Peter Lesch, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Würzburg auf Nachfrage. An der Entstehung der Krankheit seien eine Reihe von Genen beteiligt, sagte Lesch, der zu den Autoren der Studie gehört. Und nur bei einem Teil der Schizophrenie-Kranken spielten überhaupt genetische Veränderungen eine Rolle. Es gäbe eine Vielzahl weiterer Faktoren, die die Krankheit auslösen könnten. An die Ergebnisse dürften deshalb keine verfrühten Erwartungen auf eine rasche Therapie geknüpft werden. (APA)