Hamburg/Berlin - Mit Empörung haben die deutschen Grünen auf Äußerungen des früheren CDU-Parteichefs Wolfgang Schäuble reagiert, wonach Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gefährlicher sei als manche Rechtsextremisten. "Das ist eine maßlose Entgleisung", sagte Grünen-Parteichefin Claudia Roth am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Dafür muss sich Herr Schäuble umgehend entschuldigen." Der CDU-Politiker hatte im Deutschlandradio Berlin Trittin nach Angaben des Senders vorgeworfen, mit der Ablehnung des Satzes "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" treibe er die Menschen den Rechtsextremen zu. Schäuble bejahte dem Sender zufolge die Frage, ob Trittin gefährlicher sei als manche Rechtsextreme: "Ja, weil er sie fördert. Ich glaube, er hat eine viel größere Wirkung als diese wenigen Dummschwätzer und Schreier, die es bei den Extremen gibt." Schäuble ist Mitglied im CDU-Präsidium. Er bekräftigte die Forderung der Union nach Trittins Entlassung. Roth sagte, Schäuble sprenge mit seinen Äußerungen "jeden Konsens unter Demokraten und verletzt jede Mindestform in der politischen Auseinandersetzung". Trittin habe immer den Rechtsextremismus bekämpft. Es sei nicht hinnehmbar, dass Schäuble ihn als gefährlicher bezeichne als jene, die Menschen bedrohten, jagten und töteten, sagte Roth weiter. Trittin hatte vorige Woche CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer mit einem rechtsradikalen Skinhead verglichen und sich dafür entschuldigt. Die Aussage "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" lehnte die Trittin als populärste Parole der Skinheads ab. Die Union hat dies zum Anlass genommen, eine öffentliche Debatte über nationale Identität voranzutreiben. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) in der Sitzung des SPD-Parteivorstandes am Montag auf deutliche Distanz zu Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gegangen. Schröder habe gesagt, Trittin sei ein "Risiko", berichtet die Zeitung unter Berufung auf Sitzungsteilnehmer. (APA/Reuters)