Palma de Mallorca - Der Österreichableger des französischen Versicherungsriesen AXA will sein Prämienvolumen in den nächsten Jahren durch Zukäufe kleinerer und mittlerer Versicherer sowie Kooperationen massiv ausbauen. Bereits heuer soll das Prämienvolumen von zuletzt 4,4 Mrd. S (316,9 Mio. EURO) auf fünf Mrd. S gesteigert werden. In den nächsten drei bis sieben Jahren wird ein Prämienvolumen von sieben bis acht Mrd. S angestrebt. Das kündigte Franz Fuchs an, der seit Mitte Februar die AXA Colonia Österreich AG leitet, zu der derzeit neben Österreich auch die Niederlassungen in Ungarn und Liechtenstein gehören. Zu den bevorzugten Akquisitionsländern zählen neben Österreich Tschechien, die Slowakei und eventuell Slowenien sowie Polen. Interessant seien Versicherer mit einem Prämienvolumen von 200 Mio. S bis einer Mrd. S, sagte Fuchs bei einer Pressereise nach Mallorca. Wenn kein geeignetes Versicherungsunternehmen gefunden werde, sei in den "neuen Märkten" der Reformstaaten auch die Neugründung von Tochtergesellschaften ins Auge zu fassen. Bis zum Herbst soll eine konkrete Strategie samt Investitonsbedarf vorliegen. Bis zu 300 Mio. S könnte man aus eigener Kraft finanzieren, darüber hinaus würde die in Köln beheimatete Mutter Geld geben. Interessante Partner seien Personenversicherer, also jene Gesellschaften, die in der Lebensversicherung stark sind, aber auch Pensionskassen. Übernahmen von Versicherern aus der Schaden/Unfall-Sparte werden eher nicht angestrebt. "Einen reinen Nischenversicherer im Transportgeschäft würden wir nicht kaufen", meinte Fuchs. Mit dieser Strategie will die AXA jedenfalls mittelfristig unter die Top 5 der Versicherer in Österreich kommen. Derzeit liegt sie auf Platz sieben. Fuchs schätzt, dass von den derzeit 70 österreichischen Versicherungen infolge des anhaltenden Konzentrationsprozesses in der Branche in den nächsten zehn Jahren nur mehr 30 bis 40 übrig bleiben werden. Kfz-Prämien Wie bereits ein Großteil der in Österreich tätigen Versicherungen ankündigte, wird auch die AXA die Kfz-Prämien erhöhen. Je nach Tarifart werden sowohl im Neugeschäft als auch im Altbestand die Sätze um bis zu zehn Prozent hinaufgesetzt, sagte AXA-Vorstand David Furtwängler. In den vergangenen drei Jahren sind die Tarife aufgrund von Rabatten branchenweit um 15 Prozent gesunken, die Schäden und Kosten aber gestiegen, so die Argumentation für die Prämienerhöhung. Das schlechte Ergebnis in der Kfz-Sparte, Großschäden in der Industrie und durch Unwetter (vor allem enorme Hagelschäden in den westlichen Bundesländern) reduzierten das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) der AXA in Österreich im Vorjahr um rund 30 Prozent auf 14,7 Mio. EURO. Durch die Prämienerhöhung, den Ausbau der Kooperationswerkstätten und neuer Produkte soll es mit dem Ergebnis heuer wieder bergauf gehen. Abzüglich Steuern sank der Jahresüberschuss im abgelaufenen Jahr um 27 Prozent auf 9,5 Mio. EURO. Durch die Auflösung von Rücklagen (7,3 Mio. EURO) kann eine Dividende von 17,8 (1999: 28,4) Mio. EURO bezahlt werden. Die Zahl der Mitarbeiter der AXA Mittel- und Osteuropa (Österreich, Ungarn, Liechtenstein) stieg im vergangenen Jahr von 2348 auf 2487, wobei im Innendienst unverändert rund 600 Leute beschäftigt waren. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 21.3.2001)