Graz - Mit klaren politischen Positionierungen wurde die heurige Diagonale am Montag Abend in der Grazer Oper eröffnet. Der Diagonale-Trailer von Edgar Honetschläger behandelt subtil das Motiv falscher Grenzen, und der Eröffnungsfilm "Code inconnu" von Michael Haneke lässt sich als Plädoyer für Toleranz und gegenseitiges Verständnis interpretieren. Haneke widmete ihn "den vom Kärntner Landeshauptmann so genannten Gutmenschen". Und Christine Dollhofer, gemeinsam mit Constantin Wulff Intendantin der Diagonale, meinte, der Titel "Code unbekannt" sei programmatisch für die Zukunft des österreichischen Films. "Verkümmerung der demokratischen Öffentlichkeit" Dollhofer und Wulff kritisierten allerdings nicht nur das "verloren gegangene Interesse an der Entwicklung des österreichischen Films", das sich in Subventionskürzungen mit der gleichzeitigen Aufforderung wirtschaftlicher zu arbeiten, in der Nichteinbindung von Filmschaffenden in politische Entscheidungen und der Absetzung eines Abteilungsleiters in der Kunstsektion äußere. Zur Sprache kamen auch die allgemeine "Verkümmerung der demokratischen Öffentlichkeit in Österreich" wie die Tendenz zur Monopolisierung der Medien und politische Interventionen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lautstarke Zustimmung erfuhr Wulff mit der Frage "Wie ist es möglich, dass ein österreichischer Landeshauptmann den Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde beleidigt, ohne zum Rücktritt aufgefordert zu werden?" Poetischer gestaltete der Literat und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer seine Eröffnungsrede, aber auch er kam zum süffisanten Schluss, der letzte Film, der kurz vor dem Tod vor dem geistigen Auge ablaufe, habe allen anderen Filmen zwei Dinge voraus: "Erstens kostet er nichts außer das Leben, und zweitens wird der Regisseur für keinen weiteren Film eine Subvention haben wollen." "Film/Geschichte/Politik" Bis 25. März werden im Rahmen des österreichischen Filmfestivals 230 Filme gezeigt, davon 96 Erstaufführungen. Die Einreichung von insgesamt 500 Filmen, von denen 119 im Hauptprogramm gezeigt werden, bedeute ein neues Rekordjahr für die Diagonale, so Wulff. Mit dem Programmschwerpunkt "Film/Geschichte/Politik" reagiert das Festival auch jenseits der Eröffnung auf die politische Situation in Österreich. In dieser Schiene werden u.a. die Fortführung der Video-Reihe "Die Kunst der Stunde ist Widerstand" gezeigt und Dokumentarfilme gegen den Faschismus sowie Streifen des NS-Propagandafilmers Gustav Ucicky. Außerdem finden Vorträge und Diskussionen statt, u.a. über "Ein Jahr neue Filmpolitik" oder "Österreich-Bilder. Anmerkungen zur visuellen Lage der Nation". (APA)