Brüssel - In Zukunft muss ein Rahmen geschaffen werden, in dem sich die EU-Länder vor der Vergabe von Lizenzen im Telekommunikationssektor absprechen. Bei der Gewährung von Lizenzen für das Handy-Netz der dritten Generation (UMTS) habe der nationalstaatliche Zugang zu einer Fragmentierung des Marktes geführt. Das könnte die ganze Branche in Europa belasten, sagte der Zuständige EU-Kommissar Erkki Liikanen am Dienstagnachmittag in Brüssel. Bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen mussten die erfolgreichen Bieter in Großbritannien (652 Euro/Kopf) und Deutschland (620 Euro/Kopf) im Verhältnis zur Bevölkerung sechsmal so viel zahlen wie in Österreich (103 Euro bzw. 1.417 S/Kopf). In Belgien wurden nur mehr 44 Euro/Kopf erzielt, während Schweden und Finnland ihre Lizenzen kostenlos abgaben. Branche leidet Dadurch hätten die Telekom-Firmen in den einzelnen Länder sehr unterschiedliche Entwicklungspotenziale, die ganze Branche leide aber unter den hohen Belastungen. Auch in Japan seien die Lizenzen kostenlos vergeben worden, so Liikanen. Es wäre aber eine "Gratwanderung", nachträglich noch an der Lizenzvergabe Änderungen einzuführen, räumte Liikanen ein. Die Dringlichkeit in dieser Frage habe sich erst ergeben, als sich in Frankreich und Belgien nicht mehr genug Bieter für die Lizenzen fanden. Liikanen warnte auch davor, sich ausschließlich auf die technische Ausstattung im Zusammenhang mit der neuen Mobiltelefongeneration zu konzentrieren. Es werde wesentlich von den damit angebotenen Inhalten abhängen, ob die Konsumenten bereit sind für das Produkt zu zahlen und so einen wirtschaftlichen Erfolg zu ermöglichen. (APA/dpa)