In Italien ist eine Kontroverse über die Zukunft des italienischen Staatssenders RAI ausgebrochen. Der italienische Parlamentspräsident Luciano Violante sprach sich für die Privatisierung von zwei der drei Kanäle der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt aus. In einem Interview mit dem Radiosender "Radio 24" am Dienstag erklärte Violante, dass der Staat die Kontrolle über einen einzigen Kanal bewahren solle. "Der Staat soll nur einen einzigen Kanal mit hoher Qualität und ohne Werbung besitzen. Der Kanal soll ausschließlich mit Fernsehgebühren finanziert werden. Die anderen beiden Kanäle sollen privatisiert werden", meinte der Parlamentspräsident. RAI sei mit dem Problem konfrontiert, Einschaltsquoten zu verlieren, wenn das Qualitätskriterium im Vordergrund stehe. Wenn der Fernsehsender den Kampf um die Einschaltsquoten gewinne, werde jedoch die niedrigere Qualität kritisiert, erklärte Violante das Dilemma. Der italienische Regierungschef Giuliano Amato hatte sich kürzlich für einen Börsengang der zwei RAI-Kanäle, die privatisiert werden sollen, ausgesprochen. Die beiden angesprochenen Kanäle könnten nicht mehr mit TV-Gebühren rechnen, meinte Amato. Nur der dritte RAI-Kanal würde gänzlich im Besitz der öffentlichen Hand bleiben. RAI steht seit Juni, nach der Zerschlagung der Staatsholding IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale) unter direkter Kontrolle des Finanzministeriums. Bisher hatte man stets über die Privatisierung von mindestens einem der drei staatlichen TV-Kanäle diskutiert, konkrete Maßnahmen wurden jedoch bisher nicht ergriffen. (APA)