München - Der deutsche Premium-Automobilfabrikant Audi hat im Vorjahr das beste Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte eingefahren. Trotz schwieriger Marktentwicklung in Deutschland und den USA, den beiden mit Abstand größten Märkten der exklusiven VW-Tochter, rechne man heuer mit einem neuerlichen Rekordergebnis. Dies sagte Audi-Vorstand Georg Flandorfer anlässlich der Präsentation der Jahresbilanz am Münchener Flughafen im Gespräch mit dem STANDARD . Nach weltweit 653.000 Audi-Auslieferungen im Vorjahr (plus drei Prozent gegenüber 1999) sei man zuversichtlich, heuer die 700.000er-Hürde zu nehmen. Seit 1993 hat die Audi AG ihr Volumen damit praktisch verdoppelt. "Qualitatives Wachstum" nennt Flandorfer das - und wiegelt gleichzeitig ab: "Wir werden nie ein Volumenshersteller sein", die Millionengrenze habe man deshalb nicht im Auge. Konkurrent Mercedes hatte diese Schwelle erstmals 1999 überschritten, BMW steuert heuer darauf zu. Innerhalb des VW-Konzerns erwächst der Marke mit den vier Ringen zusätzliche Konkurrenz, von unten wie von oben. Volkswagen selbst bringt nämlich 2002 eine eigene Luxuslimousine (D1) auf den Markt, und von oben droht Bentley mit einem neuen, "kleinen" Modell. Audi-intern führte das bereits zu deutlichem Unmut gegenüber der Politik von VW-Boss Ferdinand Piëch, die einzelnen Marken gegeneinander antreten zu lassen. Andererseits, kommentiert Flandorfer, sei Audi aber der Wettbewerb aus eigenen Reihen angenehmer als jener von außen. Dort warten Mercedes, BMW, Jaguar, Volvo und Lexus (Toyota). USA größter Markt Audi profitierte im Vorjahr von der ausgezeichneten internationalen Automobilkonjunktur; global wurden 41 Millionen Fahrzeuge produziert, mehr als je zuvor. Weltweit größter Exportmarkt für die Ingolstädter, führte Audi-Chef Franz-Josef Paefgen aus, seien die USA. Dort habe man mit 80.372 Audi-Auslieferungen erstmals den Bestwert der frühen 80er-Jahre übertroffen. In China habe man sich innerhalb von nur zwei Jahren auf 17.451 Auslieferungen mehr als verdoppelt. Stabilisiert hätten sich zudem die Verhältnisse in Brasilien, Argentinien sei derzeit eher zu vergessen. Problematisch bleibt auch Japan. Dort dümpeln die Ingolstädter bei mageren 7000 Autos herum. Derzeit nähert sich der Konzern rapide den Kapazitätsgrenzen an. Eine Erweiterung sei deshalb angedacht, bestätigte Paefgen. "Dass es sich dabei um ein neues Werk handle, möglicherweise in den USA, wollte er nicht kommentieren. Bei den Finanzdaten meldete Paefgen Rekordwerte auf breiter Front. So habe sich der Konzernumsatz um rund acht Prozent auf 32,1 Mrd. DM (16,4 Mrd. EURO/225,8 Mrd. S) erhöht - trotz anhaltender Autoflaute in Deutschland. Das Ergebnis vor Steuern wuchs um knapp sieben Prozent auf 1,76 Mrd. DM (0,9 Mrd. EURO/12,4 Mrd. S), das Gesamtergebnis nach Steuern machte einen 36-Prozent-Sprung auf 859 Mio. DM (439,2 Mio. S/ sechs Mrd. EURO). (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 21.3.2001)