Zwei Wochen nach ihrem bejubelten Einmarsch wollen die Zapatistenrebellen die mexikanische Hauptstadt wieder verlassen und unverrichteter Dinge zurück in den Lacandonen-Urwald im südlichen Bundesstaat Chiapas reisen. Das kündigte Rebellenführer Subcomandante Marcos überraschend an. Ursprünglich hatten die Zapatisten bis zur Verabschiedung des von ihnen geforderten Autonomiegesetzes für die Ureinwohner in Mexiko-Stadt bleiben wollen. Der Elan der Sympathisanten hat jedoch in den letzten Tagen nachgelassen, und zahlreiche Ureinwohner der Delegation sind erkrankt oder wollen wieder zurück, um zu arbeiten. Zudem hat sich im Kongress Widerstand gegen den von Marcos geforderten Auftritt auf dem Sprecherpodest des Parlaments geregt. Am Donnerstag wollen die Zapatisten auf einer Abschiedskundgebung vor dem Parlamentsgebäude für das Autonomiegesetz werben. Das Gesetz ist eine der Hauptforderungen der Zapatisten, um die seit 1996 unterbrochenen Friedensverhandlungen mit der Regierung wieder aufzunehmen. Zwei weitere Bedingungen - die Freilassung gefangener Zapatisten und den Abzug des Militärs aus sieben Stützpunkten in Chiapas - hat der konservative Präsident Vicente Fox bereits teilweise erfüllt. Fox lud Marcos wiederholt zu einem Treffen ein, was der Rebellenführer jedoch abgelehnt hatte. Im Kongress gibt es Widerstand gegen das Autonomiegesetz, das vor allem konservativen Politikern als sozialrevolutionär-romantisch, separatistisch oder gar rassistisch gilt, da es die Autonomierechte nicht an ein Territorium, sondern an die indianische Herkunft knüpft. Doch zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung kam es bisher gar nicht, da Marcos den Vorschlag, vor insgesamt 20 Fraktions- und Ausschussvorsitzenden zu sprechen, als "beleidigend und respektlos" abgelehnt hatte. Am Montag warf er Regierung und Parlament erneut Starrsinnigkeit und Uneinsichtigkeit vor. Fox sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN, er hoffe, dass es doch noch zu einem Treffen zwischen Marcos und den Parlamentariern und anschließend zu einem Dialog mit der Regierung komme. Marcos sagte, er werde nun nach anderen Wegen suchen, um seinen Kampf für die Anerkennung der zehn Millionen Ureinwohner fortzusetzen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.3.2001)