Graz - "Der Fülle und Vielfalt der heimischen Filmproduktion zum Trotz ist die Entwicklung des österreichischen Films beträchtlich ins Stocken geraten": Wie schon im Vorjahr machen die beiden Diagonale-Intendanten Christine Dollhofer und Constantin Wulff aus ihrer kritischen Sicht auf Entwicklungen in der heimischen Kultur- und Filmpolitik auch heuer kein Hehl.

Bei der Eröffnung der Diagonale 2001 am Montagabend in der Grazer Oper sprachen sie von einer "Politik der unüberlegten Maßnahmen, die es unterlässt, Interessenvertretungen angemessen einzubeziehen und damit fragwürdige Entscheidungen trifft: (...) hier die Absetzung eines Abteilungsleiters, der sich seit Jahren mit Erfolg für den innovativen Film eingesetzt hat; dort die pauschale Aufforderung an den heimischen Film, wirtschaftlicher zu denken, während gleichzeitig die längst überfällige Budgetaufstockung und die Schaffung steuerlicher Anreize zur Investitionssteigerung in der Filmwirtschaft wieder nicht in Angriff genommen wurde".

Kritik an Morak

VP-Kulturstaatssekretär Franz Morak, an dessen Adresse diese Kritik zum Gutteil gerichtet war, hatte dies wohl geahnt: Zum ersten Mal in der Geschichte der zuerst in Salzburg und jetzt in Graz stattfindenden Diagonale ist der für Film zuständige Regierungspolitiker nicht bei der Eröffnung der heimischen Jahresfilmschau erschienen.

Die steirische VP-Landeshauptfrau und der VP-Kulturlandesrat Gerhard Hirschmann hingegen trugen demonstrativ nichts zum heftigen Applaus bei, als Dollhofer und Wulff auch zur Affäre "Ariel" Stellung bezogen:

"Die Verkümmerung der demokratischen Öffentlichkeit in Österreich, die zu einem Stehsatz geworden ist, hat neue Aspekte erhalten. Neben der massiven Tendenz zu einer weiteren Monopolisierung im Bereich der Printmedien und dem drohenden Verlust eines funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunks meldet sich der "Sonderfall Österreich" beinahe täglich zu Wort: Wie kann ein österreichischer Landeshauptmann den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde ungestraft öffentlich beleidigen, ohne dass diese Öffentlichkeit genügend Druck zum Rücktritt dieses Landeshauptmanns entwickelt?"

Auch Regisseur Michael Haneke, dessen französische Produktion Code Inconnu die Diagonale eröffnete, äußerte Irritation über ein Land, in dem etwa die Tageszeitung Die Presse Haider eine Glosse zur Lapidarisierung seiner antisemitischen Haltung schreiben ließ. Haneke widmete seinen Film all jenen, die gegen diese Verharmlosung weiter auftreten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 3. 2001)