Frankfut - Gewinnmitnahmen beim Dollar nach dem starken Kursanstieg der US-Devise am Vortag haben Händlern zufolge den Euro am Freitag wieder deutlich über 89 US-Cent steigen lassen. Auch der Yen konnte sich von seinen Tiefstständen zum Dollar absetzen, gestützt von kräftigen Aktienkursgewinnen in Tokio. Der Euro habe jedoch noch keine Trendwende nach oben vollzogen, weil am Devisenmarkt weiterhin Skepsis über die Bereitschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Zinssenkungen herrsche, sagte ein Analyst. Daran hätten auch die Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing und Ratsmitglied Jean-Claude Trichet nichts ändern können. Auf dem Weg nach oben stellte sich im Bereich 0,8960 Dollar ein Widerstand in den Weg. Der Richtkurs des US-Dollar gegen den Euro wurde heute von der EZB mit 0,8922 (zuletzt: 0,8889) USD festgestellt und liegt damit 4,12 Prozent oder 0,0383 Einheiten unter dem Ultimowert 2000 von 0,9305 USD. Der Richtkurs des britischen Pfund zum Euro wurde mit 0,6258 (0,6257) GBP, jener des Schweizer Franken mit 1,5319 (1,5283) CHF und jener des japanischen Yen mit 109,69 (110,25) JPY fixiert. Freitag früh notierte der Dollar mit 0,8916 und der Yen mit 109,49 Einheiten gegen den Euro. In einer Simulation ermittelte sich der US-Dollar am frühen Nachmittag gegen den Schilling mit 15,42 (zuletzt: 15,48) S, das britische Pfund mit 21,99 (21,99) S, der Schweizer Franken mit 898,25 (900,37) S und der japanische Yen mit 12,545 (12,481) S. Zur D-Mark notierte der Greenback mit umgerechnet 2,1921 (2,2003) D-Mark. Der Notenkurs des US-Dollar wurde heute von den Banken im Mittel mit 15,41 (zuletzt: 15,53) S gestellt. Konjunkturabkühlung Angesichts der merklichen Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone halten viele Händler und Analysten eine Zinssenkung für geboten. Die Furcht vor einem Abschwung in Europa hatte am Donnerstag zu einer Verkaufswelle an den Aktienmärkten beigetragen und die Flucht in den Dollar als sichere Anlagewährung beschleunigt. Der Euro war auf ein Dreimonatstief von 0,8830 Dollar gefallen. Die Erholung der Aktienmärkte in Europa am Freitag war Devisenhändlern zufolge ebenfalls ein positiver Faktor für den Euro. In Frankfurt notierte der Deutsche Aktienindex am Vormittag rund 2,5 Prozent im Plus, nachdem sich am Vorabend bereits die US-Aktienmärkte von ihren starken Kursverlusten bis Handelsschluss merklich erholt hatten. Auch der Euro Stoxx 50 lag 2,25 Prozent höher. Außer den freundlichen Börsen in Europa hätten Dollar-Gewinnmitnahmen und das Glattstellen von Positionen zum Wochenende dem Euro Auftrieb verschafft. "Das ist aber keine Erholung, der Abwärtstrend des Euro hält an", sagte Armin Mekelburg, Analyst von der HypoVereinsbank. Ein Grund dafür sei auch die Skepsis am Devisenmarkt über die Geldpolitik der EZB, die als einzige der drei wichtigen Notenbanken der Welt die Zinsen trotz inzwischen spürbarer Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone noch nicht gesenkt hat. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing habe bei seinen jüngsten Aussagen zwar eine veränderte Rhetorik erkennen lassen, doch dies überzeuge die Devisenmärkte noch nicht, sagte Mekelburg. (Reuters)