Vatikan - Ein Zeitungsbericht über Sex zwischen Priestern und Nonnen ist vom Vatikan bestätigt worden. Das Problem sei auf "ein gewisses geographisches Gebiet" begrenzt, erklärte der Sprecher des Vatikan, Joaquin Navarro-Valls, am Dienstag zu einem Artikel der römischen Tageszeitung "La Repubblica". "Der Heilige Stuhl befasst sich mit der Frage in Zusammenarbeit mit Bischöfen" und den Oberen der männlichen und weiblichen religiösen Orden, sagte Navarro-Valls. Zwang zur Abtreibung Die Zeitung hatte unter Hinweis auf einen internen Bericht des Vatikan berichtet, es gebe Fälle in 23 Staaten und vor allem in Afrika, wo Priester und Missionare Nonnen zum Geschlechtsverkehr gezwungen hätten. In einigen Fällen seien Nonnen vergewaltigt und später zu Abtreibungen gezwungen worden. In dem von einer Nonne und der Ärztin Maura O'Donohue geschriebenen und 1995 dem für die Kongregation der Heiligen Orden zuständigen Kardinal Martinez Somalo vorgelegten Bericht werden vor allem einige extreme Fälle in Afrika genannt. In einem Fall habe ein Priester eine Nonne zur Abtreibung gezwungen, an deren Folgen sie starb. Danach habe er die Totenmesse für sie gelesen. Bei Nonnen keine Gefahr vor Ansteckung In ihrem Bericht über Afrika schrieb O'Donohue nach Angaben der Zeitung: "Es ist (dort) für eine Frau oder eine Heranwachsende unmöglich, sich einem Mann zu verweigern, besonders einem älterne Mann und im Besonderen einem Priester." Nonnen würden ausgewählt, weil viele Männer Furcht hätten, sich bei Prostituierten mit Aids anzustecken. Eine Mutter Oberin sei vom zuständigen Bischof ignoriert worden, als sie sich beschwerte, dass Priester der Diözese 29 ihrer Nonnen geschwängert hätten. Der Bischof habe die Beschwerdeführerin an ihre Pflichten erinnert, hieß es in dem Bericht, der den Namen der Diözese nicht nannte. Finanzielle Abhängigkeit In dem von dem angesehenen Vatikan-Korrespondenten Marco Politi verfassten Artikel in "La Repubblica" wird aus dem Bericht der Mutter Oberin der Missionare Unsere Frau von Afrika zitiert, es gebe Nonnen, die finanziell von Priestern abhängig seien, so dass sie sexuell erpresst werden könnten. Eine Wand des Schweigens mache das Problem noch schlimmer. Navarro-Valls sagte, der Vatikan versuche den Problemen zweifach zu begegnen. Einerseits würden die Menschen unterwiesen und zum anderen für Einzelfälle Lösungen gesucht. Doch "einige negative Fälle sollten nicht den oft heroischen Glauben vergessen machen, der bei der großen Mehrheit jener Männer und Frauen in religiösen Orden und beim Klerus zum Ausdruck kommt." (APA/Reuters)