Wien - Ein klares Ja zu einem ausländischen Partner für den Verbund und ein Nein zum Vorschlag der niederösterreichischen EVN, die Sperrminorität am Verbund gegen eine große Beteiligung an dessen Wasserkrafttochter Austria Hydro Power (AHP) einzutauschen kam am Mittwoch von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Dennoch zeichnet sich im Stromkrieg zwischen der EVN-Gruppe und dem Verbund, der auf einem Eigentümergipfel am 28. März behandelt werden soll, eine mögliche Lösung ab. So deutlich wie noch nie sprach sich Bartenstein im Klub der Wirtschaftspublizisten für die strategische Beteiligung eines ausländischen Stromkonzerns am Verbund aus. Mit einem neuen Partner könnte der Verbund Europas Nummer eins unter Europas Wasserkraftkonzernen werden. Ohne Namen zu nennen, gab Bartenstein damit seinen Segen für die geplante Hydro-Allianz zwischen der E.ON und dem Verbund, in deren Zuge der deutsche Energieriese dem Verbund das ungeliebte EVN-Aktienpaket mit einem hohen Freundschaftsaufschlag abnehmen würde ( DER S TANDARD berichtete). Absage an EdF Eine Beteiligung des zweiten Interessenten, der Electricité de France (EdF) schloss Bartenstein praktisch mit dem Hinweis aus, dass dies ein reiner Staatskonzern mit einem massiven Atomstromanteil sei. Die EdF erzeugt im Jahr 59 Mrd. Kilowattstunden (kWh), gefolgt von der italienischen Enel mit 30 Mrd. kWh, dem Verbund mit 25,5 Mrd. kWh, und Schwedens Vattenfall mit 21 Mrd. kWh. Zusammen mit der E.ON (zehn Mrd. kWh) hätte der Verbund rund 35 Mrd. kWh und wäre - abgesehen von der EdF - der Marktführer Europas. Bartenstein forderte vehement eine völlige Entflechtung von Verbund und EVN. Sollte sich die EVN mit ihren Partnern (Wiener Stadtwerke und Tiroler Tiwag) mit bis zu 40 Prozent an der AHP beteiligen, hätte man wieder eine Blockade und würde "vom Regen in die Traufe kommen", warnte er. Stattdessen sollte der Verkauf der gegenseitigen Beteiligungen über Investmentbanken abgewickelt werden. Bei den Privatisierungen der Kärnter Kelag und der Energie AG Oberösterreich (EAG) sei nur eine strategische Beteiligung sinnvoll, durch die der Verbund das Sagen hätte, meinte Bartenstein. "Der Verbund ist kein Finanzinvestor." Damit bezog er sich auch auf die Hoffnung des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, die Kelag ohne Verlust der Landeskontrolle an den Verbund zu verkaufen. Als Lösung im Stromstreit zeichnet sich allerdings folgende Option ab: Die EVN und ihre Partner nehmen nur eine symbolische Beteiligung an der AHP und sichern sich deren Wasserkraft durch bedeutende Strombezugsrechte. Mit einem solchen Kompromissvorschlag, mit dem das EVN-Konsortium in die Verhandlungen am 28. März gehen will, könnte auch die Regierung leben, deutete Bartenstein an. (ef, DER STANDARD, Printausgabe 22.3.2001)