Nairobi - Mit dem Fund von 3,5 Millionen Jahre alten Knochen am Turkana-See im Norden Kenias liefert ein internationales Paläontologenteam neue Erkenntnisse über die Geschichte der Menschheit. Die Ausgrabungsfunde, die die Forscher um die kenianische Wissenschaftlerin Meave Leakey auch im britischen Wissenschaftsmagazin "Nature" vorstellten, sollen zu einer bisher unbekannten Spezies menschlicher Vorfahren gehören. Es handelt sich um den so genannten "Kenyanthropus platyops", den "flachgesichtigen Menschen aus Kenia". "Der Kenyanthropus beweist, dass es bereits vor 3,5 Millionen Jahren zwei Linien in der Entwicklung unserer Vorfahren gab", erklärte Leakey in Nairobi. Die frühen Stadien menschlicher Entwicklung seien demnach komplexer als bisher angenommen. Seit den achtziger Jahren gingen die meisten Wissenschafter davon aus, dass die Hominiden der vergangenen drei Millionen Jahre einer Linie entstammten. Zeitgenosse Lucys Der flachgesichtige Mensch lebte nach Erkenntnissen der Wissenschafter zur selben Zeit wie der Australopithecus afarensis, deren bekanntestes Exemplar das Skelett von "Lucy" ist. Es war 1974 in der äthiopisches Afa-Region ausgegraben worden. Die bereits 1998 und 1999 gemachten Funde des Leakey-Teams umfassen mehrere Knochen und einen kompletten Schädel. Auffallend seien im Vergleich zum Australopithecus die kleinen Zähne des Kenyanthropus. Möglicherweise hätten beide Spezies unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten gehabt, was ihnen das Nebeneinander ermöglicht habe, erklärte der britische Anatom Fred Spoor, der an den Ausgrabungen beteiligt war.(APA/dpa)