Wellington/Papeete - Eine Fischerflotte aus 27 Schiffen befindet sich im Absturzgebiet der russischen Raumstation Mir im Pazifik und versucht, möglichst schnell aus der Gefahrenzone heraus zu kommen. Ein kalifornischer Manager der Tunfisch-Flotte erklärte im US-Fernsehsender NBC, die Schiffe seien von den leicht veränderten Angaben der russischen Raumfahrtbehörde über die genaue Absturzstelle überrascht worden. Jetzt sehe es so aus, als wäre die Absturzstelle nur 240 Kilometer von den Schiffen entfernt. Sie würden deshalb mit höchster Geschwindigkeit aus der Gefahrenzone herausfahren. Die Behörden haben sich auf drei mögliche Szenarien eingestellt: Im ersten Fall - mit 97 Prozent Wahrscheinlichkeit - gehen die Trümmer im Zielgebiet nieder. Fall zwei rechnet mit einem teilweisen Fehlschlag der Bremsmanöver, sodass die "Mir" noch einige Tage länger der Erde entgegen trudeln könnte. Im schlimmsten Fall, wenn die Station nicht abgebremst werden könne, wäre ein Absturz nach sieben bis zehn Tagen irgendwo zwischen dem 52. Breitengrad im Norden und dem 52. Breitengrad im Süden möglich. Wie die Menschen in Neuseeland verfolgen auch die Bewohner Französisch-Polynesiens den Sinkflug der russischen Raumstation mit wachsender Spannung. Falls Trümmerteile der Mir über bewohntem Gebiet des 4000 Quadratkilometer großen Archipels mit 120 Inseln und 224.000 Einwohnern abstürzen, trete ein Notfallplan in Kraft, teilten die Behörden in der polynesischen Hauptstadt Papeete mit. "Helle" Raumstation Neuseeländische Astronomen hatten von der Sternwarten in Wellington bereits gute Sicht auf die Mir bei ihren letzten Erdumdrehungen. "Sie war ziemlich hell und ich habe sie rund eine halbe Minute lang gesehen", sagte ein Beobachter. Chef-Astronom Brian Carter sagte voraus, Neuseeland werde nicht von Trümmern getroffen. Allerdings haben die Versicherungsunternehmen die Bevölkerung bereits beruhigt. Falls doch etwas passieren würde, würden die Versicherungen zahlen, teilten sie mit. Die Regierung des Landes verfügt eigens über eine Behörde für den Umgang mit dem in regelmäßigen Abständen in der Region niedergehenden Weltraumschrott. (APA/dpa)