Wien - Pendler haben es schwer. Nicht nur, wenn sie aus einer Umlandgemeinde nach Wien einstauen müssen, sondern auch, wenn sie aus Kärnten eingeflogen werden. Wenn da im Frühling der Herbst ausbricht, kann es schon vorkommen, dass der Kärntner Landeshauptmann zu seiner Wienwahlkampfpressekonferenz eine halbe Stunde zu spät kommt. So etwas ist nicht gut. Nicht, weil Journalisten nicht warten können. Das gehört zum Job. Das sind sie gewohnt. Aber während des Wartens plaudern sie. Und wenn dann die heimischen Schreiber die aus dem Ausland darüber aufgeklärt haben, dass das in Wien "halt so ist", dass ein oberösterreichischer Kärntner unter Helene Partik-Pablé die Wiener duzt, während dem Frauengesicht, das denselben Namen führt, eine dunkelblaue Männerschrift "Jörg" auf den Kragen gemalt wird, kommt man zu Essenziellerem. "Man traut sich wieder" Reuters und BBC parlieren darüber, dass man wohl "nicht Politikwissenschafter sein müsse", um die Aussagen freiheitlicher Plakate und Statements als das zu identifizieren, was sie - nicht nur - in den Augen der Auslandspresse sind: "Die Leute trauen sich wieder", beginnt ein ORF-Redakteur die Erzählung vom Taxifahrer, der ihn gerade hierher gebracht habe. Zu einer FPÖ-Pressekonferenz gehe es? Der Haider habe schon Recht, habe der Mann ungefragt losgelegt: "Die Juden haben alle so weiße Hände. Weil sie nix arbeiten und nur Geld nehmen." Und als er keinen Beifall erntete dann doch gefragt, "sind Sie 'leicht selbst einer?" Die FP-Mannschaft machte sich währenddessen Sorgen, dass das Wetter die nachmittägliche Abschlusskundgebung in Favoriten beeinträchtigen könnte. Mit halbstündiger Verspätung eröffnete dann die Frau mit dem "Jörg" am Revers, dass doch sie die Kandidatin sei - und der Mann aus Kärnten bloß eine "hochwillkommene Hilfe, auf die ich nicht verzichten wollte". Schließlich mache er in Kärnten ja vor, wie es in Wien gehen könnte. Wohl auch darum überließ Pablé Haider die Pressekonferenz praktisch komplett. Als sie die Bitte einer englischen TV-Journalistin auf ihre Frage englisch zu antworten mit "wir sind hier in Österreich, ich will deutsch sprechen" beantwortete, trat sie dann noch einmal in Erscheinung. Der Kärntner Wahlhelfer konzentrierte sich vor allem auf zwei Themen: die Vorbildfunktion des - nach landeshauptmännischen Angaben - Musterlandes Kärnten und der Kritik an der "österreichfeindlichen Gesinnung" des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant (siehe auch Seite 10). Die Wiener Wahl? "Die wird gut ausgehen. Wir sind nicht beleidigt, wenn wir mehr als 27 Prozent bekommen." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Print-Ausgabe 23. März 2000)