Jerusalem - Die Palästinenser-Regierung hat dem konservativen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon am Donnerstag vorgeworfen, den seit Monaten andauernden Konflikt geplant eskalieren zu wollen. Nach einer Sitzung des Kabinetts erklärte die Palästinenser-Regierung, ein unter Sharon entwickelter 100-Tage-Plan sehe die vollständige Isolierung der palästinensischen Städte und Ortschaften vor. Dies sei ein gezielter Schlag gegen die Autonomie-Behörde. In der israelischen Küstenstadt Herzliya Pituach ging am Abend ein Sprengsatz hoch. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen Terrorakt, bei dem aber niemand verletzt wurde. Israels neue Regierung bereite mit der Belagerung der palästinensischen Ortschaften eine bewaffnete Offensive gegen die Palästinenser und deren Führung vor, hieß es in der Erklärung weiter. Seit ihrem Amtsantritt habe die Regierung Sharon die militärischen Maßnahmen gegen die Palästinenser verschärft mit dem Ziel, ihre Dörfer und Städte zu isolierten Inseln zu machen und dadurch auszuhungern. Das Ziel sei zugleich, die Palästinenser-Regierung zu treffen. Nach seiner Rückkehr aus den USA hatte der konservative Ministerpräsident Sharon erklärt, es werde keine neuen Verhandlungen mit den Palästinensern geben, solange der Ende September begonnene Aufstand anhalte. Offiziell hat Israel die Blockade palästinensischer Siedlungen als Sicherheitsmaßnahme gegen befürchtete Terroranschläge bezeichnet. Die Palästinenser sehen in den Absperrungen hingegen eine Kollektivstrafe. Die Fatah-Organisation von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat und andere Organisationen haben für Freitag zu Demonstrationen gegen die israelische Siedlungspolitik und die Blockaden aufgerufen. Einen Tag nach Beendigung der Gespräche Sharons in den USA teilte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA mit, Präsident George W. Bush habe den Geheimdienst CIA angewiesen, bei der Sicherheits-Zusammenarbeit zwischen Israels Armee und den Palästinensern künftig nicht mehr als Vermittler zu fungieren. Dies diene dem Ziel, dass beide Seiten künftig direkt in diesen Fragen miteinander verhandelten, hieß es. Faktisch ist es ein weiterer Schritt der neuen US-Regierung weg vom Konzept unter Präsident Bill Clinton, das eine direkte Vermittlerrolle in diesen Fragen vorsah. (APA/Reuters)