Am 24. März 1999 startete die Nato die Luftangriffe auf die Bundesrepublik Jugoslawien. Proklamiertes Ziel der ersten Angriffsaktion in der Geschichte der Allianz war es, die Menschenrechte im Kosovo durchzusetzen und der serbischen Repression gegen die albanische Bevölkerung unter der Herrschaft von Slobodan Milosevic ein Ende zu setzen.

Die Nato unterstützte die albanische "Kosovo-Befreiungsarmee" (U¸CK), die einen Guerillakrieg gegen die serbischen Sicherheitskräfte führte. Das Bombardement von Zielen in Serbien, Montenegro und im Kosovo dauerte drei Monate, bis Milosevic die Kapitulation unterzeichnete, die jugoslawische Armee sich aus dem Kosovo zurückzog und die Nato-geführte Friedenstruppe Kfor einrückte.

Genau zwei Jahre später sind die Karten auf dem Balkan ganz anders verteilt. Während Milosevic in Belgrad auf seine Verhaftung wartet, wird die Zusammenarbeit zwischen den neuen serbischen Behörden und der Nato immer besser.

Gemeinsamer Feind

Der gemeinsame Feind sind heute die gut bewaffneten und organisierten albanischen Extremisten von der U¸CK, die für die Angliederung mehrheitlich albanisch besiedelter Gebiete in Mazedonien und Südserbien an einen unabhängigen Kosovo kämpfen, und, wie in Brüssel festgestellt wurde, einen "Störfaktor für die Sicherheit der Region darstellen".

Ganz im Sinne der neuen Interessenbündnisse auf dem Balkan haben das jugoslawische Verteidigungsministerium und Experten des Generalstabs der Bundesregierung vorgeschlagen, um den Beitritt Jugoslawiens zur Nato-"Partnerschaft für den Frieden" (PfP) anzusuchen.

Dies würde die Wiederaufnahme Jugoslawiens in politische und wirtschaftliche internationale Institutionen beschleunigen, verkündete Verteidigungsminister Slobodan Krapovic, die Gefahr neuer Kriegsausbrüche verringern und es Jugoslawien ermöglichen, "eine bedeutendere Rolle in der neuen Sicherheitsarchitektur in der Region" zu spielen.

Die Gefolgschaft von Milosevic hat indessen für den heutigen Samstag in Belgrad zu einer Protestkundgebung gegen die Nato aufgerufen, die "serbische Kinder ermordet und serbische Städte zerstört hat", und gegen die neue serbische Regierung, die mit "den Verbrechern zusammenarbeitet" und Milosevic dem Haager Kriegsverbrechertribunal ausliefern wolle. (DER STANDARD, Print-Ausgabe 24./25.3.2001)