Korneuburg - Nachdem im Jänner 1999 am Leithagebirge (NÖ) ein Pannenfahrer aus der Slowakei mit einem Genickschuss getötet worden war, kam im Zuge der Ermittlungen eine internationale Mordserie ans Licht - DER S TANDARD berichtete. Opfer waren slowakische Fernfahrer, deren Lkw in den südlichen Balkanraum verkauft wurden. Vier weitere Leichen wurden in Jugoslawien entdeckt, zwei in Oberitalien, vier Lenker und Lkw sind bis heute verschwunden. Eine mutmaßliche Komplizin der Raubmordbande - drei Verdächtige sitzen in Belgrad, einer in der Slowakei im Gefängnis - stand Freitag in Korneuburg vor Gericht. Die 26-jährige Slowakin wurde schuldig gesprochen. Damit folgten die Geschworenen mehrheitlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die ein Mitwirken der Beschuldigten an der Verwertung der geraubten Lkw der Opfer als erwiesen ansah. Auf Grund der bisherigen Unbescholtenheit der Angeklagten wurde die Untergrenze des Strafrahmens von zehn Jahren unterschritten, Ingrid M. erhielt zwei Jahre. Sie nahm das Urteil an, Staatsanwältin Ingrid Gruber meldete Berufung an. Auf die zweijährige Haftstrafe wird die U-Haft angerechnet, in der sich die Mutter von zwei Kindern seit Mitte Dezember 1999 befand. "Nichts getan" "Ich habe nichts getan", ließ sie zu Verhandlungsbeginn über die Dolmetscherin wissen. "Nicht selbst Hand angelegt", sagte die Staatsanwältin. Doch die Angeklagte habe mitgewirkt, sowohl bei den Morden als auch bei der Vermittlung der Lkw an Hehler. So habe Ingrid M. den Pannenfahrer aus Bratislava unter dem Vorwand, es sei ein defektes Kfz abzuholen, nach Hof am Leithagebirge gelockt, wo dieser von drei Tätern misshandelt und erschossen wurde. Der Abschleppwagen sei über die Angeklagte und deren Mann Boban - beide betrieben einen Kfz-Handel in Trencin (Slowakei) - weiterverkauft worden. Der Gatte ist flüchtig. "Hörige ihres Mannes" Ingrid P. wird durch die Aussage eines in der Slowakei inhaftierten Mannes schwer belastet: Sie habe mit ihm gemeinsam Fahrzeuge übernommen. Auf die Frage, was mit den Chauffeuren geschehen sei, habe P. - laut Protokoll - gesagt, dass "in Jugoslawien ein Haufen Menschen verschwindet, das ist kein Problem". Die Verteidigung wies die Vorwürfe ins Reich der Märchen zurück - "vergleichbar mit Geschichten aus tausend und einer Nacht". Im Kulturkreis, in dem Ingrid P. lebe, sei eine Frau "Hörige ihres Mannes". Auf den Hinweis, Ingrid P. habe früher bereits ein Teilgeständnis abgelegt, brach die junge Slowakin in Tränen aus und sagte, das habe sie "aus Müdigkeit" zugegeben. (APA/simo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. März 2001)