Wien - "Wenn jemand in Oxford lehrt, wird er sich auch nicht entschuldigen müssen, dass er noch nicht in Senegal war", sagt Werner Michler. DER STANDARD bat drei AssistentInnen unterschiedlicher Karrierestufen am Institut für Germanistik der Uni Wien, ihre Meinung zum neuen Dienstrecht darzulegen. Der 34-jährige Deutschdidaktiker Michler hat ebenso wie seine Kollegin Susanne Hochreiter (31) einen befristeten Assistentenjob. Hochreiter arbeitet noch an ihrer Dissertation. Nach dem neuen Dienstrecht werden die beiden nur eine Chance auf Weiterbeschäftigung haben, wenn sie auf der nächste Karrierestufe einen Posten ergattern. "Das Problem ist, dass man sich neu bewerben muss, aber keine neuen Jobs da sein werden. Wir rechnen damit, dass ein nicht unerheblicher Teil der Posten sogar gestrichen wird", meint Lydia Miklautsch. Die 36-jährige Mittelalterexpertin arbeitet an ihrer Habilitation, ist "provisorisch" beschäftigt und wird ihren Job nicht verlieren. Trotzdem kritisiert sie scharf die laufende Debatte: "Die Industrie beklagt den schlechten Zustand der Universitäten, steckt dafür aber nicht - wie in Deutschland oder den USA - Geld hinein. Und die Professoren bejammern das Mittelmaß an den Unis. Nur: Sie sind dafür verantwortlich, sie haben die Leute angestellt. Und jetzt putzen sie sich ab." Miklautsch tritt für eine strenge Forschungsevaluierung ein - und zwar für alle. "Wer heute habilitiert ist, braucht ja den Rest seines Lebens keinen Leistungsnachweis mehr erbringen." Die Wissenschafterin hat Aufenthalte in Berlin und Bratislava hinter sich. "Man kann mir nicht vorwerfen, unflexibel und immobil zu sein." Michler schob seine Pläne, in die USA zu gehen, zugunsten des Jobs an der Wiener Uni auf: "Ich bin aber nicht bereit, mir das als Nachteil auslegen zu lassen." Alle drei lehnen Befristungen nicht ab, nur müsse es möglich sein, dass die Besten bleiben dürfen. "Wir sind der wissenschaftliche Nachwuchs, und wir werden rausgeschmissen", sagt Hochreiter, Expertin für feministische Literaturtheorie. Was sie machen würde, wenn der Job weg wäre? "Vielleicht wieder als Korrektorin arbeiten." (Martina Salomon, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.03.2001)