Moskau - Nach den drei Bombenanschlägen in Südrussland sind an der Grenze zur Kaukasusrepublik Tschetschenien die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden. Bewaffnete Polizisten sperrten am Sonntag alle Zufahrtsstraßen zu Dörfern im dagestanischen Grenzgebiet zu Tschetschenien ab. Bei Personenkontrollen wurde nach den Hintermännern der Anschläge gesucht, bei denen am Samstag offiziellen Angaben zufolge 21 Menschen getötet und über 140 zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, die Agentur AFP spricht von mindestens 24 Toten. Auf dem Zentralmarkt in Mineralnije Wodi tötete am Samstag eine Autobombe 19 Menschen, darunter drei Kinder. Ärzte kämpfen noch um das Leben von 42 Überlebenden. Durch die Wucht der Explosion wurden mehrere Häuser schwer beschädigt. Fenster zerbarsten, Fahrzeugtrümmer wurden durch die Luft geschleudert. Abgerissene Körperteile von Opfern lagen verstreut am Explosionsort. Die gewaltige Explosion hatte nach Einschätzung von Experten eine Zerstörungskraft von 50 Kilogramm TNT. Die Täter verwendeten zudem Schrauben und Metallteile, um die verheerende Wirkung zu erhöhen. Mehr als 20 Passanten erlitten bei der der Explosion eines Sprengsatzes vor einer Polizeiwache im Kaukasus-Kurort Iessentuki zum Teil schwere Verletzungen. In der russischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien kamen außerdem zwei Polizisten bei der Überprüfung eines verdächtigen Autos ums Leben. Im angrenzenden Tschetschenien gelang es der Polizei am Samstag, drei weitere Autobomben zu entschärfen. Drei Tatverdächtige wurden in der Hauptstadt Grosny festgenommen. "Nicht überraschend" Der russische Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und nannte die Anschläge terroristische Aktionen. Putin beauftragte den Geheimdienstchef Nikolai Patruschew und Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow mit der persönlichen Leitung der Ermittlungen. Der Geheimdienst machte indes tschetschenische Rebellen verantwortlich. Die Führung der abtrünnigen Kaukasusrepublik wies jedoch eine Beteiligung zurück. Putins Sicherheitsberater Sergej Iwanow nannte die Terrorakte nicht überraschend. "Die Tschetschenenführer haben ihre Taktik geändert und sind zu Terroranschlägen auch außerhalb der Grenzen Tschetscheniens übergegangen", sagte Iwanow. Die Führung der tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfer erklärte auf ihrer offiziellen Web-Seite , die Anschläge seien vermutlich von einem verzweifelten Tschetschenen verübt worden, "dessen Familie grausam von den Russen zerstört wurde". Als Urheber komme aber auch der russische Geheimdienst FSB in Frage, "der wieder die Wut im Volk über die 'Banditen' steigern will", hieß es in der tschetschenischen Erklärung. Die jüngsten Terroranschläge ereigneten sich zwei Tage vor dem ersten Jahrestag der Wahl Putins zum Präsidenten. Der frühere Geheimdienstchef war am 26. März 2000 mit großer Mehrheit gewählt worden, weil er unter anderem ein hartes Vorgehen in Tschetschenien angekündigt hatte. Schon im August und September 1999 hatte eine Serie schwerer Bombenanschläge mit fast 300 Toten Russland erschüttert. Daraufhin waren russische Truppen erneut in die nach Unabhängigkeit strebende Kaukasusrepublik Tschetschenien einmarschiert. (APA/dpa/Reuters/AP)