Stockholm - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich zum Abschluss des Stockholmer EU-Gipfels generell über die Ergebnisse des Gipfels zufrieden gezeigt. Europa sei eine "Wachstumslokomotive", meinte er zuversichtlich, und verwies vor allem auf die seiner Meinung nach wichtigen Diskussionen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die EU habe klar ihr Interesse für eine Zusammenarbeit mit Moskau auf politischer, aber auch wirtschaftlicher Ebene gezeigt. "Wir wissen, dass die Partnerschaft eine Vorraussetzung für eine friedliche und dauerhafte Entwicklung des europäischen Kontinents ist", so Schröder. Europa werde alle Anstrengungen Russlands in Richtung Demokratisierungsprozess unterstützen, sagte der deutsche Kanzler. Schröder erwähnte auch, dass Putin erklärt habe, die NATO nicht als Gegner oder Feind zu betrachten. Diese Aussage ergebe eine gute Basis für einen gemeinsamen sicherheitspolitischen Dialog, meinte der Bundeskanzler. Russlands Eintritt in die Welthandelsorganisation WTO wird auch von der EU begrüßt. Zur wirtschaftlichen und finanzpolitischen Lage der EU sagte Schröder: "Wir sind uns einig darüber, dass sich die europäische Wirtschaft auf einem robusten Wachstumspfad befindet." Der Kanzler räumte zugleich ein, man müsse konstatieren, dass die Weltwirtschaft Abschwächungstendenzen aufweise. "Die Konjunkturflaute in den USA und auch Japan wird auch eine Auswirkung auf die europäische Wirtschaft haben", sagte Schröder. Gleichzeitig sei Europa aber auch eine Wachstumslokomotive: "Was die Wirtschaft in Europa betrifft, gibt es keinen Anlass zu irgendeinem Pessimismus." Deutschland versteht Situation Frankreichs Schröder rechtfertigte die Haltung seiner Regierung, die zusammen mit Frankreich eine Liberalisierung des Gas- und Strommarktes verhindert hatte. Konkrete Daten müsse es nicht geben. "Wir verstehen, dass sich Frankreich in einer besonderen Situation befindet. Wir wollen das nicht zu einem Konflikt oder gar zu einer Isolierung Frankreichs machen", fügte Schröder hinzu. Was den Erweiterungsprozess betrifft, so erläuterten Österreich und Deutschland gemeinsam die Notwendigkeit von Übergangsregelungen. "Meiner Meinung nach ist sollte eine solche Regelung auch bei den nicht naheliegenden Staaten durchgesetzt werden", sagte Schröder in Richtung osteuropäische Beitrittskandidaten. Gegen die Vorschläge Österreichs und Deutschlands, die auch von der EU-Kommission unterstützt werden, habe es keine Einwände gegeben. Die Regierungen in Berlin und Wien fordern Übergangsfristen von sieben Jahren für die Öffnung des Arbeitsmarktes für Bürger der Nachbarstaaten. Auch die Lage der Biotechnologie wurde eingehend besprochen. Nach Meinung Schröders sei aber deutlich geworden, dass Europa mit seiner ethischen und philosophischen Tradition auch den Aspekt der Ethik auf keinen Fall ausblenden dürfte. "Die Chancen, aber auch Grenzen der Biotechnologie müssen berücksichtigt werden." (APA)