Auf einigen wenigen, überwiegend glücklosen Begegnungen zwischen der holländischen Regisseurin Frouke Fokkema (Tamar van den Dop) und dem österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard (Joachim Bissmeier) basiert der Spielfilm "Der Umweg". Freitag Abend wurde er im Rahmen des Filmfestivals "Diagonale" in Österreich aufgeführt. Wer sich neue Erkenntnisse zur Person des Dichters erwartet, befindet sich auf dem Holzweg: Gezeigt wird vielmehr die Geschichte einer jungen Frau, die auf einen charismatischen älteren Mann trifft und durch diese Bekanntschaft zu sich selbst findet. "Alles kommt, alles geht" So steht auch nicht der österreichische Schriftsteller sondern eine attraktive junge Frau mit masochistisch anmutender Affinität zu auffallend dominanten, patriarchalen Männern im Mittelpunkt des Filmes. Das Drehbuch dazu basiert auf einem stark autobiografischen Theaterstück der holländischen Autorin und Regisseurin (geb. 1952): Vor 20 Jahren reiste Fokkema demnach nach einer gescheiterten Beziehung das erste Mal nach Gmunden, um Thomas Bernhard zu besuchen, dessen Werk sie bewundert. Zwar kommt es zu einigen kurzen Zusammentreffen, doch der geniale Einzelgänger bleibt auf Distanz. Selbst nachdem die impulsive junge Frau dem menschenscheuen Dichter ihre Liebe gestand, habe er sich zu nicht mehr als den Worten "Alles kommt, alles geht" hinreisen lassen. Im Zuge dieser alles andere als glückhaften Treffen, bzw. Konfrontationen erkennt die junge Holländerin dennoch ihre Bestimmung zur Schriftstellerin. Und Fokkema hätte gut daran getan, den Film an diesem Punkt enden zu lassen. Stattdessen fügt sie ein Kapitel intimer Bekenntnisliteratur hinzu, was schon auf Grund der Tatsache, dass sich der vor elf Jahren verstorbene Schriftsteller dagegen nicht mehr wehren kann, unpassend erscheint: Im Film empfängt der kranke Autor ein weiteres Mal die junge Dame. Am Krankenbett lässt der Dichter - der als Pedant in allen Lebenslagen und Sockenfetischist dargestellt wird - von Fokkema die Socken wechseln: Solche "aus Marokko", die die junge Frau zuvor vor seinen Augen genüsslich an ihrem nackten Körper gerieben hat. (APA/red)