Paris - Transparenz ist das Schlagwort von Bertrand Delanoe, der am Sonntag zum neuen Bürgermeister von Paris gewählt wurde. "Wir werden unter den wachsamen Blicken der Pariser regieren", sagte er nach seiner Wahl an die Adresse seiner von langjährigen Skandalmeldungen geplagten Bürger. Dem 50-jährigen Sozialisten gelang es, mit seiner rot-grünen Liste erstmals die von den Rechten beherrschte Hochburg Paris zu erobern. Nach den Chroniken war die Linke im Stadtrat der Hauptstadt zuletzt 1909 in der Mehrheit. Einen echten Bürgermeister gibt in es in Paris ohnehin erst seit 1977, als der Gaullist Jacques Chirac sich dort seine Bastion und sein Sprungbrett für das Präsidentenamt einrichtete. Ursprünglich galt der altgediente Parteifunktionär Delanoe nur als Verlegenheitskandidat. Aber die prominenten Sozialisten, die eigentlich die Spitzenkandidatur in Paris übernehmen sollten, konnten wegen Korruptionsaffären oder der Beförderung auf Ministerposten nicht mehr antreten. Delanoe gilt als ein Vertrauter des Premierministers Lionel Jospin. In seinem unaufgeregten Wahlkampf setzte er vor allem auf Bürgernähe und prangerte unentwegt die gaullistische Vetternwirtschaft an. Angesprochen auf seine fehlende Ausstrahlung antwortete er einmal: "Das wahre Charisma - das ist ganz einfach die Bindung zwischen einem Kandidaten und den Bürgern." Stetig geklettert Der in Tunis geborene Delanoe studierte Jura und Wirtschaftswissenschaften und trat bereits im Alter von 23 Jahren in die Sozialistische Partei ein. Stetig kletterte er in der Parteihierarchie die Leiter hinauf. Seit 1977 sitzt er im Pariser Stadtrat, 1981 wurde er in die Nationalversammlung gewählt, seit 1995 ist er Senator. Einen ersten Achtungserfolg erlangte Delanoe, als er bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren bereits sechs der 20 Pariser Stadtbezirke für die Linken eroberte. Aufsehen erregte er erneut im November 1998, als er sich als einer der ersten französischen Politiker öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. In Paris hat sich niemand daran gestört, auch seine politischen Gegner nicht. Im Gegensatz zu Paris musste die Linke in Straßburg eine Niederlage hinnehmen: Dort wurde am Sonntag die konservative UDF-Politikerin Fabienne Keller zur neuen Bürgermeisterin gewählt und löste somit die PS-Politikerin Catherine Trautmann ab. In Lyon, dem Zentrum des zweitgrößten französischen Ballungsraumes, fand am Sonntag jedoch wie in Paris ein Wechsel zur Linken statt. Dort wurde der Sozialist Gerard Collomb zum neuen Bürgermeister gewählt. Collomb löst den liberalen Ex-Premierminister Raymond Barre ab, der nicht wieder antrat. Der Sozialist erhielt 42 der 72 Stimmen im Stadtrat. In der zweitgrößten französischen Stadt Marseille bestätigte der Stadtrat am Sonntag den Rechtspolitiker Jean-Claude Gaudin. (APA)