Drei klein geschriebene Buchstaben sollen die digitale Revolution der Fernsehwelt lostreten: mhp (kurz für Multimedia-Home-Platform): Der neue Standard soll aus der berieselnden Flimmerkiste einen interaktiven Digitalbaustein samt Zusatzdiensten, Festplatten-Rekorder und Internet-Zugang machen. mhp soll die Schnittstelle zwischen Fernseher und digitaler Datenwelt werden. Auf der CeBIT in Hannover lassen sich die Vorboten dieser schönen, neuen Fernsehwelt bestaunen, auf der Funkausstellung in Berlin im Spätsommer sollen die ersten Geräte gezeigt werden. "Bisher ist der digitale Fernseh-Kunde den Programmanbietern und den Providern ausgeliefert", meint Jochen Weymer von Sony Deutschland. "Mit dem mhp-Standard wird es eine neue Marktfreiheit geben. Der Kunde wird künftig zwischen unterschiedlichen Settop- Boxen und unterschiedlichen Leistungsmerkmalen wählen können." mhp werde den Markt öffnen für neue Inhalte und neuen Service, ist Weymer überzeugt. Leistungen und Service des digitalen Fernsehens sollen es in sich haben. Schon jetzt gibt es den Digitalen Programm-Guide (DPG), eine Art komfortable Fernsehzeitschrift auf dem Bildschirm. DPG sucht etwa bei ARD Digital sämtliche Spielfilme der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten heraus, oder alle Sportsendungen inklusive Hintergrundinformationen. Oder auch der Festplatten-Rekorder: Wer bei der Live-Sendung "Wetten dass..." dringend telefonieren will, muss auf keine Minute Thomas Gottschalk verzichten. Der Zuschauer schaltet den Rekorder ein, der zeichnet auf. Nach dem Telefonat setzt man sich hin und schaut einfach zeitversetzt weiter. Während der Rekorder abspielt, zeichnet er auch den Rest der Sendung auf. Der Festplattenrekorder soll auch lernfähig sein und die Vorlieben des Zuschauers erkennen. Verpasst man die Sportschau, weil der Weg nach Haus zu lang gedauert hat - kein Problem, der Rekorder hat "mitgedacht" und vorsorglich das Tor des Monats digitalisiert. Beim interaktiven Fernsehen kann jeder vom Sofa aus auch einen Rückkanal nutzen und etwa beim Verkaufsfernsehen direkt ordern oder - wie "via1" auf der CeBIT zeigt - seinen Lottoschein per TV- Fernbedienung abgeben. Das Internet auf dem Fernsehschirm im Wohnzimmer aber stellt selbst den scheinbaren Schlüssel zum digitalen TV-Zeitalter mhp noch vor ein Problem. "Das Internet ins TV-Format umzuwandeln ist ganz und gar nicht einfach", meint Sony-Mann Weymer. "Zur Zeit ist das gesamte Internet PC-basiert", erklärt Michael Klein von der Deutschen TV Plattform. Die Folge: Die Web-Seiten auf der Fernsehbildröhre sind von der Qualität eher dürftig, und zur Zeit nicht mhp-fähig. Deshalb müssten die Angebote im Netz für mhp umgearbeitet werden, ähnlich wie die Wap-Angebote. Allerdings haben sich die Unternehmen, die hinter mhp stehen, noch nicht einigen können, wo das passieren soll. "Es gibt zwei Möglichkeiten. Wenn alle Seiten auf mhp umprogrammiert werden, würde das die Datenübertragung zum Kunden schneller machen, aber die Daten müssten auf den Servern doppelt gespeichert werden. Arbeitet die Settop-Box die Signale des Internet in den mhp-Standard um, kann zwar jeder auf alle Angebot im Netz zugreifen, aber die Boxen würden dann teurer werden", meint Klein. Eine Entscheidung soll noch fallen. Dennoch wird es die ersten mhp- fähigen Settop-Boxen mit Internetoption wohl erst 2003 geben, meint Klein. Schon jetzt zeichnen sich zwei Trends beim Geschäft mit dem digitalen Fernsehen ab. "Wir werden auf die Settop-Boxen setzen", meint Georg Lütteke. "Unsere ersten Geräte werden noch 2001 auf den Markt kommen." Sie sollen dann, wie bei anderen Herstellern auch zwischen 250 und 400 Euro (3.440 bis 5.504 Schilling) kosten. Sony und Loewe wollen lieber den Alles-in-einem-Gerät-Weg gehen. Die werden allerdings deutlich teurer sein. Sony-Mann Weymer denkt an Premium-Geräte zum Preis von mehr als 4.500 Mark (2.301 Euro/31.660 S) . Von diesen TV-Geräten würden in Deutschland jedes Jahr bis zu 250.000 gekauft, Sony will langfristig einen Anteil von 25 Prozent erreichen. Und: "Die Jahre 2002 und 2003 werden die Kernjahre, wo wir wirkliches Wachstum erwarten." (APA)