Berlin - In der "Nationalstolz"-Diskussion in Deutschland ist am Wochenende angesichts zweier Landtagswahlen verstärkt über das politische Schicksal von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) spekuliert worden. Trittin hatte die hitzige Patriotismus-Debatte ausgelöst, nachdem er CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer in die Nähe rechtsradikaler Skinheads gerückt hatte. Mehrere Medien berichteten, das politische Schicksal des Grünen-Ministers stehe auf der Kippe, falls seine Partei bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz am Sonntag schlechte Ergebnisse erziele. Der linke Flügel der Grünen stellte sich den Spekulationen um Trittin demonstrativ entgegen. Der nordrhein-westfälische Grünen- Vorsitzende Frithjof Schmidt dementierte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach die Partei-Linke einen Unterstützerkreis für Trittin organisiert habe. Richtig sei lediglich, dass der Minister weiter die Unterstützung der Partei-Linken habe, sagte Schmidt der Berliner "tageszeitung" (Montag). Er glaube "überhaupt nicht", dass die Ergebnisse der Landtagswahlen zu einer Personaldiskussion bei den Grünen führen würden. Es sei "abwegig", wenn einige grüne Parteimitglieder über eine Ablösung Trittins vom Ministerposten nachdächten. Trittins politisches Schicksal ungewiss Der "Spiegel" hatte berichtet, zu dem Unterstützerkreis sollten unter anderen die neue Bundesvorsitzende Claudia Roth und die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn gehören. Am Rande des thüringischen Grünen-Parteitages in Erfurt bezeichnete Höhn Gerüchte über einen möglichen Sturz Trittins nach einem schlechten Ausgang der Wahlen für die Grünen als absurd. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung wird Höhn in Berlin aber bereits als eine der möglichen Nachfolger Trittins gehandelt. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hieß es am Samstag unter Berufung auf einflussreiche Grüne, zwischen dem Ausgang der Wahlen und Trittins Verbleiben im Amt bestehe ein Zusammenhang. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) halte Trittin für eine Belastung, schrieb die "FAZ" am Samstag. Mehr denn je gelte es als ungewiss, ob der Grünen-Minister bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleibe. "Unter dem Gesichtspunkt der Kriegswissenschaften" In Rheinland-Pfalz lief eine von der CDU organisierte Unterschriftenaktion mit der Forderung nach Trittins Rücktritt. Nach Angaben der Partei hatten allein am Samstag mehr als 77.000 Menschen unterschrieben. Seit der Veröffentlichung der ersten Listen am Dienstagabend seien damit mindestens 90.000 Unterschriften zusammengekommen, berichtete der Generalsekretär der Landes-CDU, Claudius Schlumberger, am Samstagabend in Mainz. In die Debatte um Nationalstolz schaltete sich erneut Bundespräsident Johannes Rau ein. Rau war von CSU-Generalsekretär Thomas Goppel und der FDP wegen seiner Äußerung kritisiert worden, man könne nur auf seine eigenen Leistungen stolz sein. Im "Spiegel" warf Rau Kritikern vor, eine Antwort umgedeutet zu haben, "die ich seit Jahren gebe und die unbehelligt war". Er warnte vor einem Mangel an Bedächtigkeit in der Politik. Sie dürfe nicht "unter dem Gesichtspunkt der Kriegswissenschaften" betrieben werden. (APA/dpa/AP)